Von Wolfgang Braun
Die vergangenen Handelstage haben die Aktienmärkte kräftig nach oben katapultiert. Damit wird der Juli seinem Ruf als guter Börsenmonat bislang vollauf gerecht. Die Hoffnungen auf starke Unternehmenszahlen, die von Intel und Alcoa auch erfüllt wurden, sind derzeit wohl der Hauptantrieb für die steigenden Notierungen. Die ohnehin schon recht günstigen Bewertungen (vor allem auch im Vergleich zu den Anleihen) fallen durch die besser als erwartet ausgefallen Zahlen weiter. Dazu stützt natürlich die nach wie vor reichlich vorhandene Liquidität die Kurse. Derzeit gibt es zu Aktien kaum eine Alternative, die halbwegs vernünftige Renditen verspricht. Und die Notenbanken machen keinerlei Anstalten, den Geldhahn zuzudrehen. Da die Inflationsraten nach wie vor sehr niedrig ausfallen, wird dieser Zustand wohl noch eine Weile andauern.
In Deutschland hat die Berichtssaison offiziell noch nicht begonnen. Erste Indikationen aus dem Auto-Sektor lassen aber auf ebenfalls herausragende Daten schließen. Vor allem die Schwäche des Euro sollte den deutschen Konzernen in die Hände spielen. Und so ist in den nächsten Wochen ein Angriff des Dax auf das bisherige Jahreshoch bei 6.342 Punkten realistisch. Wird die Marke geknackt, könnte der Blue-Chip-Index sogar bis in den Bereich von 6.600 Punkten vorstoßen.
Für Anleger gibt es dennoch keinen Grund, in übertriebenen Optimismus zu verfallen. Die Probleme aus der Finanzkrise schwelen im Hintergrund weiter. Die Erholung des Euro könnte schnell in eine Schwäche des Dollar uminterpretiert werden. Schließlich droht das Land an einem weit größeren Schuldenberg zu ersticken als Deutschland. Und auch in der Euro-Zone sind die Probleme bei weitem nicht beseitigt: Wegen der hohen Staatsdefizite kündigen die Regierungen reihenweise Sparprogramme an. Es ist aber wenig glaubhaft, die bislang getätigten Konjunkturspritzen als Rettung aus der wirtschaftlichen Not darzustellen, den Sparmaßnahmen aber keinerlei Wirkung zuzugestehen. Sollten die Sparpakete konsequent durchgesetzt werden, dürfte die Weltkonjunktur in den nächsten Monaten in die Bredouille kommen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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