Von Bernd Niquet
Oft schon habe ich mich gefragt, wie es denn eigentlich ablaufen könnte, wenn der Staat einmal einen harten Schnitt macht? Wie gelingt es dann, dass im Vorfeld nichts bekannt wird? Wie schafft man es, dass alle Entscheidungsträger dichthalten? In Berlin hat man in diesem Zusammenhang möglicherweise gerade eine kleine Generalprobe veranstaltet. Und selbst wenn das keine Generalprobe war, so ergeben sich daraus Impressionen, die man sich merken sollte.
Man muss sich das vorstellen: Da gibt es in Berlin eine Richterin in einem Problembezirk mit hohem Migrantenanteil, die durchsetzt, dass jugendliche Gewalttäter ihre Strafe schneller und konsequenter bekommen als das vorher der Fall war. Sie legt sich dazu mit großen Teilen der Justiz an und wird schließlich ihre Positionen in einem Buch zusammen fassen, dass noch diesen Monat erscheint und bereits im Vorfeld ein großes Medienecho erzeugt.
Doch just in diesem Moment verschwindet die Frau, erscheint nicht auf der Arbeit, was es noch niemals gegeben hat, und wird von ihrem Ehemann als vermisst gemeldet. Wenig später wird in einem Wald ihr Auto gefunden. In diesem Moment beginnen die Unstimmigkeiten:
Die Presse meldet dazu sofort, es gäbe keine Hinweise auf ein Verbrechen und man vermute einen privaten Hintergrund ihres Verschwindens. Man kennt also bereits die Lösung, bevor man überhaupt weiß, ob es einen Fall gibt.
Spürhunde können nicht eingesetzt werden, weil sie anderweitig beschäftigt sind und es zu heiß ist. Dennoch beginnt eine groß angelegte Suchaktion. Tage später findet man die Leiche einer Frau an einem Baum aufgehängt, nur etwa 500 m vom Tatort entfernt. Die Justizsenatorin kondoliert daraufhin dem Ehemann und den zurückbleibenden Töchtern, obwohl noch nichts sicher ist, denn sie beginnt ihr Statement mit den Worten: „Wenn wir auch noch nicht über absolute Gewissheit verfügen, dass es sich bei der heute aufgefundenen Toten um die vermisste Jugendrichterin handelt.“
Bald darauf erfolgt die Identifizierung und erneut gibt die Justizministerin bekannt, dass es sich um Selbstmord handelt, obwohl die Obduktion noch gar nicht erfolgt ist.
In Berlin ist also eine ziemlich verhasste Richterin, die am Morgen noch die letzten Änderungen an den Druckfahnen ihres Buches vorgenommen hat, am Abend in den Wald gefahren und hat sich an einem Baum erhängt, was im Übrigen eine typisch männliche Selbstmordart darstellt. Obwohl pädagogisch bestens geschult und täglich im Umgang mit Jugendlichen mit Problemen im Elternhaus, tritt sie aus dem Leben ohne ihren Kindern einen Abschiedbrief mit auf den Lebensweg zu geben.
Das alles ist möglich, es ist möglich, dass es so gewesen ist, doch die Wahrscheinlichkeit für so ein Verhalten liegt nahe null. Stutzig macht ebenfalls, dass hier alles bereits im Vorfeld gemeldet wurde, bevor es eigentlich gewusst werden konnte. Und was einem regelrecht Angst einjagt, ist, dass über alle diese Punkte ausschließlich in Internetboards diskutiert wird, jedoch keine einzelne Adresse der etablierten Presse diese Punkte auch nur einmal angesprochen hat.
Wer hat hier vor was so eine Riesenangst? Doch auch ohne die Antwort auf diese Fragen zu kennen, kann man aus diesem Fall enorm viel lernen, denke ich. Er könnte durchaus ein allgemeines Muster darstellen.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… UND ALS STRANDLEKTÜRE FÜR DEN URLAUB:
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
Jetzt hier bestellen.









