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Spielraum nach oben

Donnerstag, 8. Juli 2010 um 12:55

Von Wolfgang Braun
Die Berichtssaison für das zweite Quartal steht vor der Tür und die Analysten sind optimistisch. Für den S&P 500 wird ein Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahr von 42 Prozent erwartet. Die Ergebnisse sollen damit noch etwas besser ausfallen als im ersten Quartal, was in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftsentwicklung realistisch erscheint. Nimmt man die Gewinnprognosen bis Ende des Jahres, liegt das Index-KGV (auf Basis der operativen Daten) bei 12,6 und damit deutlich unter dem historischen Mittelwert (ab 1987: 19,4). Selbst auf Basis der „echten“ Nettogewinne ergibt sich ein recht günstiges Gewinnvielfaches von 15,3.

Problem Zukunft

Unter Bewertungsgesichtspunkten sind die jüngsten Kursverluste damit wenig plausibel. Offenbar preist der Markt eine deutliche Konjunkturabschwächung ein, die die Gewinnschätzungen hinfällig machen würde. Unter diesem Aspekt wird in der anstehenden Berichtssaison wohl den Ausblicken der Firmenbosse eine besondere Bedeutung zukommen. Sollten die Konzernchefs halbwegs optimistisch in die Zukunft blicken, dürften die Aktienmärkte mit Erleichterung reagieren. Zumindest eine kräftige Erholungsrallye wäre dann realistisch, ehe zum Ende des Sommers die dann anstehenden Daten zum dritten Quartal wahrscheinlich neue Sorgen heraufbeschwören.

Pluspunkt Euro

Die deutschen Firmen profitieren neben der starken Konjunktur zusätzlich vom Verfall des Euro. Nach dem starken Jahresauftakt mit einem Nettogewinn von mehr als 17 Milliarden Euro bei den Dax-Unternehmen im ersten Quartal sollten die Zahlen für das zweite Quartal daher ebenfalls gut ausfallen. Für das Gesamtjahr trauen wir den Blue Chips Nettogewinne von 55 Milliarden Euro zu. Daraus errechnet sich ein KGV von weniger als 12. Auch bei einer Betrachtung der Buchwerte liegt der deutsche Leitindex inzwischen rund 10 Prozent unter seinem historischen Schnitt. Sofern die jüngsten Prognosen der Konjunkturexperten richtig liegen und die deutsche Wirtschaft auch 2011 wächst, lassen solche Bewertungen den Kursen deutlichen Spielraum nach oben.

Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

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