Von Wolfgang Braun
Nach der Bundesbank geht jetzt auch das Ifo-Institut von einem höheren Wachstum in Deutschland aus. Die Münchener haben in der vergangenen Woche ihre Prognosen für den BIP-Zuwachs im laufenden Jahr auf 2,1 Prozent und für 2011 auf 1,5 Prozent erhöht. Ohne Zweifel sprechen die bislang vorliegenden Daten dafür, dass zumindest das zweite Quartal extrem gut gelaufen ist. Das sollte sich auch auf die anstehenden Unternehmenszahlen auswirken und so kurzfristig eine Stütze für die Börsen sein. Fraglich ist allerdings die Zuverlässigkeit der langfristigen Prognose, vor allem für das kommende Jahr.
Hohe Fehlerquote
In der jüngeren Vergangenheit lagen die Konjunkturexperten bei ihren Ausblicken regelmäßig daneben. Die Krise 2008 hatte keiner auf dem Plan. Als die Börsen dann abstürzten, überschlugen sich die Auguren mit Horrorszenarien, die so ebenfalls nicht eintraten. In Anbetracht der miserablen Trefferquote sollten sich die Anleger auch jetzt nicht blind auf die Aussagen der Konjunkturexperten verlassen. Ohnehin stellt sich die Frage, woher der Treibstoff für den Aufschwung kommen soll. Die Unternehmen kämpfen nach wie vor mit Überkapazitäten. Ein Boom bei Neueinstellungen ist nicht zu erwarten. Der private Konsum dürfte im derzeit verunsicherten Umfeld damit ein Belastungsfaktor bleiben. Mit dem Auslaufen der Konjunkturprogramme und der angekündigten Sparpolitik werden auch die Staaten als Stützpfeiler entfallen. Die Hoffnung ruht daher wieder einmal auf den Exporten. Allerdings ist zweifelhaft, ob Asien alleine den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Auf die ehemalige Konjunkturlokomotive Amerika sollten die Anleger keinesfalls setzen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren besorgniserregend: So sackten etwa die Hausverkäufe nach dem Auslaufen von staatlichen Zuschüssen auf den tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.
Augen offen halten
Die relativ günstige Bewertung spricht für Aktieninvestments – vor allem, wenn sich die konjunkturelle Erholung tatsächlich fortsetzt. Die Risiken bleiben aber hoch. Neu auftretende Probleme im Finanzsektor oder an anderer Stelle können die Vorhersagen für die Wirtschaftsentwicklung schnell zur Makulatur verkommen lassen. Anleger sollten daher unbedingt die Wirtschaftsdaten (vor allem Auftragseingänge, Industrieproduktion und Exportzahlen) im Blick behalten.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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