Von Bernd Niquet
Der Wissenschaftler besitzt im Gegensatz zum Politiker die Freiheit, das auszusprechen, was er für wahr erachtet. Würde das, was Gunnar Heinsohn in der abgelaufenen Woche von sich gegeben hat, von einem bekannten Politiker stammen, so hätten wir jetzt einen handfesten Skandal und könnten das Ende einer politischen Karriere gleichsam live beobachten. Doch so versickert das Gesagte wie ein Wassertropfen im knochentrockenen Boden. Auch das ist eben das Schicksal der Wissenschaft.
Gunnar Heinsohn und Otto Steiger haben ein alternatives Wirtschaftsparadigma entwickelt, in deren Spannkreis ich das Glück besaß, akademisch aufzuwachsen. Otto Steiger ist 2008 gestorben und gerade erscheint dazu ein Gedenkband, für den ich auch einen Aufsatz verfassen durfte. (Ehrig / Staroske, Eigentum und Recht und Freiheit, Metropolis Verlag, Marburg 2010.) Seitdem macht Gunnar Heinsohn mit hauptsächlich bevölkerungsökonomischen Ansätzen alleine weiter. Und auch hier vertritt er eine Sichtweise, die eine völlig andere Perspektive bietet als die Dinge gemeinhin gesehen werden.
Unter dem Titel „Deutschland verschläft den Kampf um die Talente“ führte Heinsohn das in der FAZ vom 24. Juni exemplarisch aus: „Eine Billion Euro Schulden“ habe die Bundesrepublik bisher für Migranten angehäuft, errechnet er da, „die mehr aus den Hilfesystemen entnehmen, als sie aufgrund schlechter Schulleistungen und anderer Handicaps in sie einzahlen können. Auf jeden der 25 Millionen vollerwerbstätiger Nettosteuerzahler fallen durch diese historisch einmalige Aufgabe 40.000 Euro Schulden.“
Das ist wirklich starker Tobak, doch man darf nicht in die Falle des Rassismus oder sonstiger Ressentiments tappen. Heinsohn ist knallharter Ökonom, der messerscharf sieht, dass schrumpfende Gesellschaften wie diejenige der Bundesrepublik zwangsweise auf Einwanderung angewiesen sind. Doch während andere Länder wie die USA, Kanada und Australien fast nur noch Einwanderer mit bester Ausbildung ins Land lassen, gilt für die Bundesrepublik:
„Nirgendwo liegen Migrantenkinder tiefer unter dem einheimischen Leistungsniveau als in Deutschland. Das liegt nicht an ihrer Fremdheit und Andersprachigkeit, sondern an den schlechten Noten ihrer Eltern bereits in der Heimat. Es geht also gar nicht um „Ausländerprobleme“.“
Doch nicht nur die Einwanderungspolitik verantwortet heftige Schieflagen, das Grundproblem stellt sich in Deutschland folgendermaßen dar: „Von hundert Nachwuchskräften, die das Land benötigt, werden fünfunddreißig nie geboren, wandern zehn aus und schaffen fünfzehn keine Berufsausbildung.“ Es bleiben also nur vierzig übrig. Und das sind zu wenige. Am heftigsten schmerzen die 160.000 Auswanderer pro Jahr, denn nicht nur, dass sie den finanziellen Gegenwert ihrer Ausbildung mitnehmen: „Zusätzlich hinterlassen diese 160.000 Nettosteuerzahler etwa 40 Milliarden Euro offizielle Staatsschulden. Nur private Schulden emigrieren mit, während die Verpflichtungen als Passinhaber an die Zurückgebliebenen sowie an Einwanderer gehen.“
So hat man die Ökonomie selten betrachtet gesehen: Die gut ausgebildeten Auswanderer entledigen sich ihrer Schulden zur Rückzahlung der Staatsschuld, wohingegen die sie ersetzenden Einwanderer meistens gar nicht die Fähigkeit zur Schuldenbedienung besitzen, von einer Rückzahlung ganz zu schweigen. Die Schere wird mithin immer enger, immer weniger müssen immer mehr Schulden stemmen. Und irgendwann sind die Schneiden nicht mehr zu halten, dann wird es „schnapp“ machen.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… UND ALS STRANDLEKTÜRE FÜR DEN URLAUB:
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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