Von Bernd Niquet
Sicherlich kann sich die Bundesregierung bei der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bedanken, dass ihre innere Zerrissenheit nicht noch ein größeres Medienthema geworden ist. Im Umkehrschluss muss man dann aber nach den bei der Fußball-WM in der ersten Runde der Gruppenphase gezeigten Leistungen der anderen Mannschaften auf weltweite Regierungskrisen spekulieren.
Wahrscheinlich gibt es sowieso große Parallelen hier, schließlich sehen sowohl der Fußball als auch die Politik stets wie ein Kinderspiel aus. Beides wäre sicherlich auch puppeneinfach, gäbe es da nicht den Gegner, der gemeinhin genauso stark ist wie man selbst, jedoch genau das Gegenteil der eigenen Intentionen hegt. Doch hier hören die Übereinstimmungen plötzlich auf: Denn während man von der Politik stets ein abgestimmtes Verhalten fordert, würde beim Fußball niemand auf eine derartige Idee kommen.
Für viele Situationen existieren schlichtweg keine objektiven Bewertungen. In Deutschland muss gespart werden, darin sind sich alle einig. Soweit liegen sie alle richtig, doch ab hier beginnt das Gemauschel: Die einen sagen, es wäre ungerecht, nur bei den unteren Transfer-Einkommen zu sparen und die hohen Einkommen zu schonen – und unterstellen dabei, dieser Zustand wäre ein naturgegebener Ausgangszustand.
Dem ist jedoch freilich nicht so, denn die Transfereinkommen haben ein Niveau erreicht, wie es das noch niemals in der Geschichte gegeben hat. Aus diesem Grunde hat das Argument der anderen natürlich ebenfalls Gewicht, dass die hohen Einkommen bereits bis an die Grenze besteuert werden.
Nun könnte man natürlich auch die Subventionen kürzen, doch so etwas ist in unseren Lobbyzeiten wohl nicht mehr durchführbar. Alleine die Unmöglichkeit, noch einmal zu einem natürlichen und einfachen Steuersystem zurückzukehren, zeigt bereits, wo wir tatsächlich stehen. Eine riesige Krake ist entstanden, hat sich verselbständigt und ist nicht mehr zu bremsen. Und das Einzige, was der Einzelne noch tun kann, ist zu verhindern, dass sie ihn selbst, sondern eher den Nachbarn verschlingt.
Hier zeigt sich auch, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Politikern nichts mehr mit den Politikern, sondern nur noch mit dem System der großen Krake zu tun hat. Selbst der charismatischste und mutigste Politiker wird es nicht mehr schaffen, ihre Tentakel zu kürzen. Schauen wir nur auf die FDP, die zwar weder charismatisch noch mutig ist, aber dennoch die letzte Bremsmöglichkeit darstellte – und wie elend sie gescheitert ist. Elend. Zerquetscht und verschlungen wie Plankton.
Das Geld regiert derweil weiter die Welt – und niemand wird ihm Grenzen setzen können. Im Gegenteil. Je stärker versucht wird, es einzufangen, umso stärker verstricken sich die Fänger im Netz und ersaufen dabei.
Es gibt wirklich nur noch eine Möglichkeit, dem zu begegnen – und das ist die südeuropäische, afrikanische oder südamerikanische Methode. Hinaus in das Sommerwetter! Über die Schuldberge und an den Strand! Einfach Ferien machen und das Leben genießen, so lange man es noch genießen kann!
P.S. Und vergessen Sie nicht, mein neues Buch dazu mitzunehmen! Dirk Elsner von blicklog.com hat gerade dazu geschrieben: „Sein Werk ist für mich mittlerweile DAS Begleitbuch zur Finanzkrise 2007 – 2009 geworden.“
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
************ AKTUELLE NEUERSCHEINUNG 2010 *************
BESTIMMT EINES DER INTERESSANTESTEN BÜCHER ZUM THEMA:
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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