Von Jochen Steffens
Man glaubt kaum, was in den Hinterzimmern der Weltwirtschaft alles beschlossen und verkündet wird. Unlängst wurde bekannt, daß die weltweit größten Notenbanken als Reaktion auf die Kreditmarktkrise planen, ihre bisherigen Reglement zu verändern. Es geht wie immer in den letzten Monaten um das Zauberwort der Finanzwirtschaft:
„Liquidität!“
Jetzt wollen die Notenbanken in Krisenzeiten auch Sicherheiten in Fremdwährungen zulassen. Das bedeutet zum Beispiel, wenn sich eine Bank aus Deutschland bei der Fed Geld beschaffen will, kann sie nun Wertpapiere als Sicherheit hinterlegen, die in Euro gelistet sind. So kann gewährleistet werden, daß die Geldmärkte auch in kritischen Situationen nicht versiegen und es somit nicht zu der gefürchteten Kreditklemme kommt. Gerade diese Kreditklemme drohte in den vergangenen zwölf Monaten mehrfach. Das Problem in dieser Situation ist nicht nur, daß die Banken sich untereinander nicht mehr vertrauen, sondern daß generell die Kreditvergabe eingeschränkt wird. Das betrifft insbesondere die Unternehmen und damit die Wirtschaft.
Liquidität um jeden Preis
Auch für die Börsen dürfte eines der Hauptprobleme zur Zeit sein, daß durch die Kreditmarktkrise der Liquiditätszufluß behindert wird. Der geneigte Beobachter erkennt, daß in den vergangenen Monaten weltweit Liquidität aus den Märkten abgezogen wurde. Die Emerging Markets brachen ein (sehen Sie sich zum Beispiel China an), aber auch die Rohstoffpreise sackten in sich zusammen. Auch das war wahrscheinlich eine Folge des Liquiditätsabzugs.
Diese neue Regelung der international größten Notenbanken wird nun dazu führen, daß die Banken eine breitere Möglichkeit haben, sich in Notzeiten Geld zu beschaffen. Das wiederum kann das Vertrauen der Banken untereinander wieder verbessern und würde damit das Ende der Kreditmarktkrise einleiten. Somit könnte diese Maßnahme tatsächlich einen entscheidenden Einfluß auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung nehmen!
Die Details zu dieser Entscheidung sollen im Oktober bekannt gegeben werden. Allerdings handelt es sich nur um eine „Notfalllösung“. Zwar wollte die Fed diese Regelung offenbar als Dauerlösung einführen, die EZB hat sich jedoch dagegen entschieden.
Diese Nachricht ist tatsächlich geeignet eine entscheidende Wende in der aktuellen Situation an den Börsen einzuleiten. Das wird spannend!
Jochen Steffens ist Chefredakteur des kostenlosen Newsletters "Steffens Daily". Weitere Informationen finden sie hier.










