Von Wolfgang Braun
Die Kursausschläge an den Börsen waren in den vergangenen Tagen enorm. Alleine am Dienstag erstreckte sich die Bewegung im Dax über 180 Punkte. Solche Bewegungen gibt es in ruhigeren Marktphasen nicht einmal innerhalb einer Woche. Die heftigen Turbulenzen, die nicht nur den Dax betreffen, sind Resultat der derzeit herrschenden Unsicherheit unter den Anlegern. Auf der negativen Seite stehen nach wie vor die massiven Schuldenprobleme. Eine Reihe an europäischen Staaten will nun auf die Ausgabebremse treten. Das wirft Fragen nach der weiteren Entwicklung der Konjunktur auf. Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr galten staatliche Ausgabenprogramme noch als Rettung vor einem Absturz der Wirtschaft. Jetzt sollen Sparprogrammen die Misere beenden. Besonders logisch ist der Zusammenhang nicht!
Unsicherheitsfaktor Politik
Allerdings ist keineswegs sicher, dass die Sparpakete Realität werden. Politiker sind nicht unbedingt dafür bekannt, an Versprechungen strikt festzuhalten. Und wenn die Bevölkerung rebelliert und die Wiederwahl auf dem Spiel steht, fallen Politiker regelmäßig um. Wie stark die Einschnitte für die Bürger und damit die Belastungen für die Konjunktur werden, lässt sich also derzeit nicht abschätzen. Dazu dürften die Notenbanken bei einer absehbaren neuerlichen Konjunkturschwäche zur Stelle sein und das üppige Angebot an Geld aufrecht erhalten. Die hohe Liquidität ist schon bisher die Hauptstütze für den Aktienmarkt.
Saisonalität beachten
Welche Schlüsse lassen sich daraus für die weitere Börsenentwicklung ableiten? Eine Prognose fällt schwer, weil die typischen Konjunkturzyklen außer Kraft gesetzt sind. Auffallend ist aber, dass seit Jahresbeginn die typischen saisonalen Kursmuster, die in den vergangenen Jahren kaum erkennbar waren, gut gepasst haben: Ordentlicher Jahresauftakt und dann eine Schwäche im Mai. Vielleicht zieht sich dieses Muster durch den Rest des Jahres. Gestützt von sehr guten Zahlen könnten die Börsen dann in den nächsten Monaten noch etwas zulegen. Kritisch wird es ab dem Spätjahr, wenn die Sparmaßnahmen der Regierungen die Sorgen um eine konjunkturelle Schwäche verstärken. Nach einer kräftigen Korrektur könnten Schnäppchenjäger dann einen versöhnlichen Jahresausklang bringen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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