Von Bernd Niquet
Sie hat derzeit keine gute Presse, unsere Europäische Zentralbank, die EZB. Große Zeitung titeln „Vertrauensverlust des Euro“ und reden von einer Flucht aus der europäischen Währung – unter Verleugnung der Tatsachenlage, dass so etwas freilich gar nicht geht.
Die EZB kauft jetzt Staatsanleihen auf, auch griechische. Damit ist die Geldschleuse geöffnet, sagen viele, und eine griechische Tragödie beginnt, andere. Doch was ist eigentlich so verwerflich daran, wenn Zentralbanken Staatsanleihen kaufen? Bereits ein flüchtiger Blick ins Lehrbuch zeigt doch, dass „Offenmarktkäufe“ zum täglichen Geschäft der Notenbanken gehört.
Beim „Offenmarktkauf“ kauft die Zentralbank Staatspapiere vom freien Markt auf, um ihre währungspolitischen Aufgaben zu erfüllen und die Kurse der Staatsanleihen auf kalkulierbarem Niveau zu halten. So läuft eine ideale Zentralbankpolitik. Die EZB betreibt eine ideale Zentralbankpolitik. Und sie wird damit sehr große Gewinne erzielen, denn sie kauft die griechischen Papiere zu geringen Preisen und wird sie nach der Krise zu deutlich höheren Preisen wieder in den Markt schleusen.
Es gibt keine bessere Notenbankpolitik als diejenige, die die EZB gegenwärtig ausführt. Auch keine bessere als diejenige, die die US-Notenbank in der Finanzkrise 2008 und 2009 gemacht hat. Beide Notenbanken haben hier das Ziel der Vertrauensstabilisierung in optimaler Form angestrebt – und im Rahmen des Möglichen auch erreicht.
Doch warum wird das so kritisiert? Weil die Dinge nicht klar auseinandergehalten werden und so diffuse Ängste entstehen. Schaut man in unser Land, kann man sich vorstellen, dass der nächste Jude bereits am Horizont erschienen und der nächste Hitler ein Finanznationaler sein wird. Und der nächste Nationalsozialismus könnte dann „Finanzsozialismus“ heißen. Er wird allerdings vergleichsweise glimpflich ablaufen, denn heute vernichtet man keine Menschen mehr, sondern nur Vermögen.
Die Fakten sehen derzeit so aus: Auf der Passivseite der EZB-Bilanz steht unser Geld. Es ist auf der Aktivseite in der Hauptsache durch Staatsanleihen, also durch die steuerliche Leistungsfähigkeit der Bürger Europa gedeckt. Qualitativ spielt es dabei keine Rolle, ob hier bundesdeutsche oder griechische Staatsanleihen stehen, wenn die griechischen bundesdeutsch garantiert sind. Von einem Dammbruch kann also qualitativ niemand reden.
Bleibt das quantitative Argument. Kauft die EZB griechische Anleihen auf, erhöht sich die Geldmenge. Doch niemand redet darüber, ob diese Maßnahmen nicht durch andere sterilisiert werden. Und: Würde überhaupt jemand ein Trara machen, wenn die EZB einfach verstärkte Offenmarktkäufe ankündigen würde? Nein, alles ist vielmehr nur ein dumpfes Gefühl und erinnert tatsächlich mehr an Hitlerei als an Logik.
Das alles entscheidende Argument für mich ist: Kauft eine Zentralbank Staatsanleihen aus dem Markt, ist die Geldpolitik okay. Problematisch wird es nur dann, wenn die Staatspapiere direkt vom Staat zur Notenbank wandern. Wenn der Staat sich direkt bei der Notenbank finanziert, wird eine Währung ruiniert. Doch das gibt es weder diesseits noch jenseits des Atlantiks. Kauft die Notenbank die Papiere hingegen aus dem offenen Markt, ist das marktkonformes Handeln.
Warum sollte daher der Euro an Vertrauen gegenüber dem Dollar einbüßen? Weil die EZB jetzt auch macht, was die US-Federal Reserve schon immer praktiziert?
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
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