Von Wolfgang Braun
Die EU-Staaten spannen über finanziell angeschlagene Mitglieder einen Rettungsschirm, der mit 750 Milliarden Euro prall gefüllt ist. Diese Maßnahme wurde am vergangenen Wochenende beschlossen, nachdem die Börsen zuvor in extreme Turbulenzen geraten waren. Der unerwartete Schulterschluss der zuvor zögerlichen Politikergilde lässt nur eine Folgerung zu: Die Finanzmärkte standen (wieder einmal) kurz vor dem Abgrund.
Die Börsen reagierten euphorisch auf die Ankündigung. Der Dax sprang am Montag mehr als 5 Prozent in die Höhe. Vorerst ist damit eine Umschuldung für die Anleihen der Wackelkandidaten in der EU vom Tisch. Wir dürften so von einer erneuten Abwärtsspirale an den Finanzmärkten wie nach der Lehman-Pleite verschont bleiben. Allerdings wäre ein teilweiser Schuldenerlass und die damit verbundenen Abschreibungen die sauberere Lösung gewesen, weil damit ein Teil des Problems beseitigt wäre. So verschiebt man die Kreditproblematik in die Zukunft (wo sie wohl mit noch größerer Wucht zuschlagen wird). Der Sparwille der EU-Defizitsünder dürfte durch den Rettungsschirm gebremst werden, weil eine Pleite nicht mehr unmittelbar droht. Wie so oft sind die Börsen aber auf einem Auge blind und haben die negativen Seiten des Hilfsprogramms ausgeblendet. Sollte sich wider Erwarten abzeichnen, dass es den EU-Ländern mit der Sanierung der Staatshaushalte doch Ernst ist, verdüstert sich die Lage für die Aktienmärkte. Höhere Steuern und Abgaben bei sinkenden Ausgaben für soziale Wohltaten sind Gift für die Konjunktur und sorgen - wie Griechenland zeigt - für Tumulte in der Bevölkerung. Irgendwann muss man diesen Schritt aber gehen.
Vorerst könnte sich die Erholung der Börsen aber fortsetzen. Grund für diese positive Einschätzung ist die neuerliche Geldflut, die sich über die Märkte ergießt. Jetzt will auch die EZB Staatsanleihen aufkaufen und damit die Zinsen auf erträglichem Niveau halten. Schon die USA und Großbritannien haben mit der Politik des Gelddruckens die Märkte beruhigen können und die Börsen gestützt. Der Anlagenotstand wird durch den unerwarteten Schritt der EZB noch größer, zumal die Anleihemärkte angeschlagen und teuer sind. Aktien und Edelmetalle sind wohl kurzfristig das Maß der Dinge.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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