Von Bernd Niquet
Die Redaktionskonferenz hat beschlossen, dass der Bürger einmal richtig über die Griechenland-Krise aufgeklärt werden müsse und dass daher eine Diskussion her müsse: „Was bedeutet das für den Sparer?“ Als es dann so weit ist und ich gefragt werde, sage ich:
„Eigentlich sind jetzt alle Prinzipien einer wertstabilen Währung aufgegeben worden – unsere Notenbank ist jetzt politisch nicht mehr unabhängig und beleiht ab sofort selbst Papiere schlechter Bonität – aber trotzdem wird auch dieses Mal alles wieder gut gehen.“
Ein anderer antwortet darauf: „Der Markt testet jetzt die politischen Beschlüsse. Der Euro verliert stark an Wert, das spricht doch eine deutliche Sprache. Und wieder ein anderer: „Der Euro wird bald vollkommen wertlos sein.“ „Aber nein, so etwas sagt man doch nicht. So etwas denkt man nicht einmal.“ Danach ich: „Kann ich noch kurz sagen: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte.“
Daraufhin der Moderator: „Sorry, dafür haben wir jetzt keine Zeit!“
„Nach dem Lehmann-Zusammenbruch hat doch die US-Notenbank Federal Reserve nicht nur zweifelhafte Staatsbonds angekauft wie jetzt die EZB, sondern sogar Blankokredite an US-Unternehmen gegeben. Und der Dollar ist auch nicht wertlos geworden.“
„Alle Währungen haben jedoch gemeinsam heftig gegenüber dem Gold verloren.“
„Kann ich noch kurz sagen: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte.“
„Sorry, dafür haben wir jetzt keine Zeit!“
„Also ich finde, man hätte die Griechen sofort aus dem Euro ausschließen sollen, als die bedrohliche Lage bekannt wurde, dann hätten wir jetzt diesen ganzen Schlamassel nicht.“
„Aber damit ist doch niemandem geholfen. Dann finden wir uns bald in der Situationen einer neuen europäischen Kleinstaaterei wieder.“
„Na und?“
„Aber was bedeutet das nun für den Sparer?“
„Kann ich noch kurz sagen: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte.“
„Sorry, dafür haben wir jetzt keine Zeit!“
„Was passiert nun, wenn Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen kann und der Euro weiter an Wert verliert?“
„Kein Staat kann seine Schulden zurückzahlen.“
„Dann bekommen wir Inflation.“
„Dann bekommen wir ein neues Exportwunder.“
„Kann ich noch kurz sagen: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte.“
„Wenn jetzt auch noch Spanien in Schwierigkeiten kommt, gehen die deutschen Banken ebenfalls in die Pleite.“
„Die sind doch sowieso bereits Pleite.“
„Aber nein, die staatlichen Maßnahmen haben erfolgreich geholfen.“
„Doch wie lange wird der Frieden reichen?“
„Kann ich noch kurz sagen: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte.“
„Sorry, dafür haben wir jetzt keine Zeit!“
Man kommt wirklich nicht leicht zu Wort. Hier nicht und auch sonst schon gar nicht, wenn man nicht den Hampelmann macht. Dennoch gibt es eine Fortsetzung – oder besser eine Vorgeschichte – zu dieser Geschichte: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte, Eine Collage, von Bernd Niquet, Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
************ AKTUELLE NEUERSCHEINUNG 2010 *************
BESTIMMT EINES DER INTERESSANTESTEN BÜCHER ZUM THEMA:
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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