Von Wolfgang Braun
In einer aktuellen Umfrage haben sich die Chefvolkswirte deutscher Banken verhalten hinsichtlich der weiteren Aussichten für den Dax geäußert. Demnach trauen die Experten dem deutschen Leitindex bis September im Schnitt einen Stand von 5.980 Punkten zu. Das entspricht etwa dem derzeitigen Niveau und ist ein Zeichen für die Unsicherheit unter den Investoren. Die Faktenlage ist zu diffus, um eine klare Aussage über die weitere Börsenentwicklung treffen zu können.
Als Kurstreiber dürfte die hohe Liquidität, die die Notenbanken weltweit zur Verfügung stellen, erhalten bleiben. Ein selbsttragender Aufschwung ist nicht in Sicht. Da zudem die Konjunkturpakete der Regierungen nach und nach auslaufen, wird der Geldhahn vermutlich eher später als erwartet zugedreht. Zudem herrscht unter den Anlegern akuter Anlagenotstand: Selbst Anleihen kommen unter Verruf (Griechenland-Problematik), so dass ein Investment in Sachwerte wie Aktien oder Edelmetalle selbst nach den kräftigen Kursgewinnen noch als kleineres Übel erscheint. Auch die Stimmung unter den Anlegern – in aller Regel ein Kontraindiktor – war zuletzt kaum von übergroßem Optimismus geprägt (wie man ihn nach dem steilen Anstieg seit März 09 erwarten könnte) und stellt damit kein Verkaufssignal dar. Negative Signale kommen dagegen von der fundamentalen Seite: Die Wirtschaftsdaten fallen nach wie vor durchwachsen aus. Vor allem vom Immobiliensektor in den USA – Ursprung allen Übels – kamen zuletzt negative Nachrichten. Mit dem Ende der staatlichen Ankurbelungsmaßnahmen droht die Erholung in den westlichen Industriestaaten auszulaufen. Die Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen, die dank rigider Kostensparmaßnahmen möglich waren, dürften damit ins Stocken kommen.
Fundamentale Fakten sind für die Börsen eher mittel- und langfristig wichtig. Kurzfristig spielt die Markttechnik (Liquidität, Verhältnis von Optimismus und Pessimismus) eine größere Rolle. Die Chancen stehen damit nicht schlecht, dass der Dax bis Sommer noch einmal neue Hochs erklimmt, ehe die Anleger auf die schwachen fundamentalen Daten reagieren und es an den Börsen zu einer Korrektur kommt. Gut möglich, dass die Bankexperten mit ihrer Prognose für September am Ende richtig liegen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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