Von Jochen Steffens
Es scheint ein wenig so zu sein, als würden wir wieder in die Zeiten des „Kalten-Krieges“ zurückfallen. Man erinnere sich zurück: Als die Sowjetunion Anfang der 90er aufgelöst wurde, war es André Kostolany, der in diesem Zusammenhang etwas später sagte, man solle sich nun Aktien kaufen, in eine Apotheke gehen, dort Schlafmittel erwerben und sich schlafen legen. Nach zehn Jahren könne man aufwachen und diese dann wieder verkaufen.
Ein Ausspruch, der anschließend zwar sehr bekannt wurde, dabei aber immer aus diesem sehr speziellen Zusammenhang gerissen und gerne als allgemeine Börsenlehre verkauft wurde: Kaufe Aktien und lege dich zehn Jahre schlafen. Etwas, das Kostolany niemals so allgemein gemeint hat.
Es ging Kostolany dabei tatsächlich nur um die Auswirkungen, die das Ende des Kalten Krieges auf die Börsen haben würden. Zunächst wurde natürlich das große Kriegsrisiko, also die Kriegsprämie aus den Märkten ausgepreist. Das war aber nicht der eigentliche Grund für den starken Anstieg der Börsen in den 90ern.
Es ging vielmehr um die neuen Märkte, die sich mit dem Ende des Kalten Krieges öffneten. Und damit ist nicht nur Rußland gemeint, sondern auch die anderen Staaten, die zuvor keine marktwirtschaftlichen Strukturen kannten. Kostolany war zu diesem Zeitpunkt klar, daß diese neuen Märkte einen ungeheuren Schub an den internationalen Finanzmärkten bewirken würden. Und er sollte Recht behalten.
Nun muß man keine großen Analysen anstellen, um zu erkennen, daß die Börsen nicht besonders erfreut reagieren, wenn diese Märkte nun wieder den Rückwärtsgang einlegen sollten. Käme es also tatsächlich zu einem erneuten Kalten Krieg und sollte sich daraufhin die russische Wirtschaft von der Weltwirtschaft zunehmend abkapseln, würde auch die Gefahr zunehmen, daß auch andere Länder in diesen Sog hineingeraten: China, ehemalige russische Satellitenstaaten etc. Es könnte sogar dazu führen, daß die Welt wieder, wie in „alten“ Zeiten, zwischen den Machtblöcken aufgeteilt würde.
Für die Börsen würde das bedeuten, daß wir zumindest eine lange quälende Seitwärtsbewegung erleben (etwas, was ich für die Jahre ab 2009 schon lange prognostiziere).
Noch gehe ich nicht davon aus, daß wir wieder in eine solche Phase des Kalten Krieges hineingeraten. Die Kräfte der Marktwirtschaft sind sowohl in Rußland als auch in China nicht ohne Wirkung geblieben. Rußland versucht meines Erachtens lediglich, sich einen Teil seiner alten Stellung in der Weltengemeinschaft zurückzuerobern. Die Mittel dazu sind zur Zeit zugegebenermaßen etwas rau. Aber eigentlich kann sich kein Staat der Welt mehr eine Isolation „leisten“. Die Folgen für die eigene Wirtschaft wären verheerend. Und nur auf Öl kann man keine funktionierende Wirtschaft aufbauen.
Trotzdem beobachte ich diese Entwicklung mit Sorge. Somit müssen wir auch diese genau beobachten. Sollte erkennbar werden, daß sich diese neuen Märkte wieder schließen, muß man entsprechend handeln.
Jochen Steffens ist Chefredakteur des kostenlosen Newsletters "Steffens Daily". Weitere Informationen finden sie hier.









