Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.2800 US-Dollar, nachdem im asiatischen Handel Tiefstkurse bei 1.2790 Dollar markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 84.10. In der Folge notiert Euro-Yen bei 107.65, während Euro-Franken bei 1.2950 oszilliert. Andrew Bosomworth, Rentenfondsmanager bei Pimco, bemüht das Thema Griechenland. Wie häufig soll dieses Thema eigentlich noch diskontiert werden? Seit November 2009 wird dieses Thema latent mißbraucht, um den Euro zu unterminieren. Bosomworth bezeichnet das Risiko Griechenlands zu scheitern als substantiell. Dabei argumentiert Bosomworth mit der Phase, wenn das Hilfsprogramm in drei Jahren ausgelaufen ist. Ergo steht ein Scheitern erst einmal die nächsten drei Jahre nicht auf der Agenda. Aber danach, dann geht es los!
Das ist schon ein starkes Stück. Bosomworth verzichtet darauf, zunächst die Folgen des Reformprogramms in Griechenland zu erörtern. Das wird in „professioneller“ Manier ausgeblendet. Dabei ist es die markanteste Reform in der Geschichte der EU! So etwas zu übersehen, ist schlicht weg und ergreifend unprofessionell und darf als Ausdruck einer politischen Agenda bei Herrn Bosomworth verstanden werden.
„Sportlich“ kapriziert sich Bosomworth auf das in drei Jahren auslaufende Stützungsprogramm und spricht mit Leichtigkeit von „Default“. Er thematisiert nicht, daß unter Umständen weitere Hilfsprogramme möglich sind. Die USA könnten hier als Präzedenzfall dienen. Im Zweifelsfall will die Fed laut Bernanke monetarisieren, was monetesierbar ist. Das wäre übrigens ein angemessenes Thema für Bosomworth, da es nach dem Handbuch der Zentralbanken eine der Ursünden darstellt. Da er das nicht tut, entsteht hier ein strenger Geruch einer politischen Agenda.
Wenn wir in den Rückspiegel schauen und die vergangenen drei Jahre Revue passieren lassen, dann wird deutlich, daß wir in einer ungewissen Welt leben, in der nur sehr wenige Protagonisten verläßliche Prognosen lieferten. Wieso spricht Bosomworth nicht darüber, daß die USA ihr Defizit nicht adressieren und voraussichtlich in drei Jahren dort stehen, wo Griechenland heute steht? Ist Griechenland mit 2,6% Anteil am BIP der Eurozone so wichtig, daß man dieses Thema derartig in den Mittelpunkt rücken muß? Ist es nicht wesentlicher zu fragen, wann die USA (18% Anteil an der Weltwirtschaft) endlich ein Reformprogramm umsetzen, um Zukunftsfähigkeit zu gewinnen. Wir hören immer nur von neuen Ausgabenprogrammen, ohne daß struktureller Wandel in den USA angestoßen wird.
Das US-Geschäftsmodell, das die aktuelle globale Finanzkrise ausgelöst hat, steht unverändert als Elefant im Raum. Das Verhalten von Herrn Bosomworth ist vergleichbar mit einer Situation, in der Analysten, Volkswirte, Fondsmanager und opportunistische Marktteilnehmer Finanzmäuse der Machart Griechenlands um ein Finanzelefantenproblem (USA) herumjagen und sich dabei sehr wichtig fühlen.
Damit nicht genug. Auch Spanien (60% Staatsverschuldung), Portugal und Irland werden im Rahmen von Ansteckungseffekten gleich mit in den Topf geworfen, in dem die „Anti-Eurosuppe“ köchelt. Großbritannien wird natürlich nicht thematisiert. Es ist wohl zu weit von Irland entfernt … . Das macht natürlich Stimmung, vor allen Dingen gegen den Euro. Das gilt erst recht, wenn diese Nachrichten in liquiditätsarmen Märkten in Asien plaziert werden. In Asien gibt es fraglos die besten „Griechenlandkenner“! Alleine die Tatsache, daß diese Meldung in Asien plaziert ist, wirft mehr Fragen auf, als daß sachliche Antworten gegeben werden. In der Folge kollabiert dann dank des „Europasachverstands“ in Asien Euro-Franken schon mal zügig 150 Punkte und Euro-Yen fällt gleich hinterher, was Euro-Dollar dann auch circa 100 Punkte unter Druck bringt.
Am heutigen Dienstag steht lediglich die Veröffentlichung des deutschen Auftragseingangs der Industrie im Juli auf der Agenda. Der letzte Stand per Juni lieferte ein Auftragsplus in Höhe von 24,5% gegenüber dem Vorjahr. Schade, daß Herr Bosomworth die positiven Themen der Eurozone so sträflich ausläßt.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem Dollar favorisiert. Ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützung bei 1.2580 – 1.2610 negiert den positiven Bias.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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