Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.2895 US-Dollar, nachdem im asiatischen Handel Höchstkurse bei 1.2901 Dollar markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 84.35. In der Folge notiert Euro-Yen bei 108.80 während Euro-Franken bei 1.3085 oszilliert. Die am Freitag veröffentlichten Daten sind ungeeignet, die zuletzt dem Markt von einigen professionellen Teilnehmern aufgezwungene Rezessions- und Deflationsdebatte in der Weltwirtschaft weiter zu befördern. Wir haben uns dieser Sichtweise des Marktes vernehmlich widersetzt und halten unverändert an einer nachhaltig positiven Gesamteinschätzung fest. Dabei konstatieren wir gerne, daß die US-Wirtschaft als auch die Wirtschaft Japans dem Konjunkturzug nachlaufen. So verhält sich das eben, wenn man sich nur auf Kosmetik in der Strukturpolitik konzentriert. Um diesen Zusammenhang metaphorisch zu untermalen, bedarf es manchmal nur eines Blicks nach Monaco. Weibliche Wesen fortgeschrittenen Alters mit solider pekuniärer Grundlage erkennen, daß Kosmetik nicht mehr reicht. Irgendwann muß geschnitten werden. Im Gegensatz zu den dann veränderten Strukturen der Konjunktur sind die Ergebnisse in Monaco und auch anderswo bisweilen fragwürdig. Dabei gestehe ich hier gerne eine subjektive Sichtweise ein.
Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone für den Dienstleistungssektor stellte sich per August auf 55,9 Punkte. Die Prognose war bei 55,6 Zählern angesiedelt. Damit drückt sich in diesem Sektor der Wirtschaft der Eurozone solides Wachstum aus. Die Einzelhandelsumsätze der Eurozone lieferten ein zufriedenstellendes Bild. Im Monatsvergleich kam es zu einem Anstieg um 0,1%. Die Prognose lag bei 0,2%. Der Vormonatswert wurde gleichzeitig von 0,0% auf 0,2% nach oben revidiert. Im Jahresvergleich stellte sich erwartungsgemäß eine Zunahme um 0,6% ein.
Der US-Arbeitsmarktbericht per August setzte gegenüber der Erwartungshaltung überwiegend positive Akzente. Die Quote legte von zuvor 9,5% auf 9,6% erwartungsgemäß zu. Wir schauen gerne auf die Berechnung der Quote U-6 (BEA Table A-15). Diese Quote U-6 bietet eher eine Vergleichbarkeit mit europäischen Pendants. Diese Quote nahm von zuvor 16,5% auf 16,7% zu. So weit zu den negativen Aspekten des US-Arbeitsmarktberichts. Der Finanzmarkt fokussiert sich auf den „Nonfarm-Payroll“ Bericht. Im August gingen 54.000 Jobs verloren. Die Prognose lag bei -100.000. Wesentlicher war jedoch die Revision des Vormonatswertes von -131.000 auf -54.000. Mit anderen Worten war in der Zweimonatsperiode Juli/August die Beschäftigungslage um 123.000 Jobs besser als unterstellt. Das ist durchaus eine markante positive Abweichung. Damit nicht genug. Die durchschnittlichen Löhne fielen um 0,2% höher als zuvor aus. Die durchschnittliche Arbeitszeit legte von 33,4 auf 33,5 Stunden zu. Die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt nahm leicht von 64,6 auf 64,7% zu. Darüber hinaus schaffte der private Sektor der Wirtschaft 67.000 neue Jobs. Hier ergibt sich zum ADP-Report (-10.000) eine deutliche Differenz.
Der ISM-Dienstleistungsindex enttäuschte dagegen. Im August stellte sich der Index auf lediglich 51,5 Punkten nach 54,3 Zählern zuvor. Die Prognose lag bei 53,5 Punkten. Das Indexniveau beschreibt weiterhin Wachstum. Die Dynamik ist jedoch weniger ausgeprägt. Die Subindizes spiegelten die Entwicklung des Gesamtindex. Der Geschäftstätigkeitsindex verlor von 57,4 auf 54,4 Punkte. Der Auftragsindex sank von 56,7 auf 52,3 Zähler und der Beschäftigungsindex sank von zuvor 50,9 auf 48,2 Punkte und unterschritt damit die wichtige 50 Punkte-Marke, die zwischen Kontraktion und Expansion unterscheidet.
Fakt ist, daß der Index immer noch Wachstum impliziert.
Fakt ist aber auch, daß sich der Index der kritischen Marke von 50 Punkten nähert.
Fakt ist, daß die Eurozone mit 55,9 Punkten im Vergleich zu den 51,5 Zählern in den USA deutlich besser aufgestellt ist.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem Dollar favorisiert. Ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützung bei 1.2580 – 1.2610 negiert den positiven Bias.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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