Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.2635 US-Dollar, nachdem am Vortag Tiefstkurse bei 1.2589 Dollar markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 84.25. In der Folge notiert Euro-Yen bei 106.45 während Euro-Franken bei 1.2995 oszilliert. Die Eurozone lieferte am Dienstag einmal mehr überraschend positive Daten. Der Auftragseingang der Industrie legte markant um 2,5% im Monatsvergleich zu. Die Prognose war bei „nur“ 1,5% angesiedelt. Damit jedoch nicht genug. Nein, der Vormonatswert wurde von +3,8% auf +4,1% revidiert. Damit stellte sich dann der Anstieg auf 22,6% im Jahresvergleich. Das Auftragspolster der Eurozone wächst weiter oberhalb der Erwartungshaltung des Finanzmarkts. Reaktionen bleiben sowohl am Aktien-, am Bond- und am Devisenmarkt aus. Positive Datensätze der Eurozone sind offensichtlich „No Go Area“ für Finanzanalysten und Marktteilnehmer. Man kann die Reaktion als eine Verweigerungshaltung gegenüber der ökonomischen Realität interpretieren.
Kommen wir zu den USA. Hier ergab sich nicht wie in der Eurozone ein erfrischendes „Hui“, sondern es kam zu einem nachhaltigen „Pfui“! Der Absatz zuvor bereits genutzter Wohnimmobilien sank unerwartet um 27,2% im Monatsvergleich auf 3,83 Millionen Objekte in der annualisierten Darstellung. Damit wurde ein historischer Tiefstwert in dieser seit zehn Jahren erhobenen Datenreihe markiert. Das Volumen an zu verkaufenden Immobilen stellt sich nun auf 12,5 Monatsumsätze. An diesen Daten wird deutlich, daß ohne Steuersubvention in diesen Markt kein Leben einzuhauchen ist. Es zeigt sich auch, daß unsere These über die US-Wirtschaft richtig ist. Die binnenwirtschaftlichen Kräfte sind in den USA schwach. Nur der Teil, der direkt mit der Weltwirtschaft verzahnt ist, läuft. Es ist erstaunlich, daß noch nicht einmal historische Tiefstwerte in diesem Sektor Realitätssinn über tatsächliche Risiken und lediglich vermeintliche „safe havens“ schaffen können.
Der „Richmond Fed Manufacturing Survey“ lieferte die nächste Negativnachricht aus den USA. Der Index sank von zuvor 16 auf 11 Punkte. Der positive Aspekt ist darin zu sehen, daß der Indexwert von 11 Punkten weiterhin Expansion andeutet. Seit April 2010 ausgehend von 30 Punkten kommt es kontinuierlich zu Rückgängen. Wir haben darauf verweisen, daß die Aufwertung des Dollar und damit die Minimierung der Konkurrenzfähigkeit auf internationalen Märkten eine prominente Rolle spielt, die einzige Stärke der US-Wirtschaft zu schwächen. Dieses logische Denkvermögen wird derzeit jedoch nicht an den Märkten gespielt.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das zunächst eine neutrale Haltung bezüglich Euro-Dollar favorisiert. Ein nachhaltiger Ausbruch aus der Bandbreite 1.2500 – 1.2930 eröffnet neue Dynamik.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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