Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.3015 US-Dollar, nachdem am Mittwoch im europäischen Handel Höchstkurse bei 1.3045 Dollar markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 87.15. In der Folge notiert Euro-Yen bei 113.45 während Euro-Franken bei 1.3745 oszilliert. Das „Beige Book“ war wenig ermunternd. Trotz Budgetdefiziten von 10% und real negativen Zinsen um die -2% (Leitzins 0 abzüglich CPI oder PPI oder Importpreise …), also einem „Input“ von circa 12% des BIP kommt die Wirtschaft nicht nachhaltig in die Gänge. Bill Gross von PIMCO sagte diesbezüglich, daß Regierungen, die mit Budgetdefiziten versuchen, ein künstlich hohes Niveau des Konsums zu gewährleisten, vergleichbar sind mit Personen, die Finanzmittel eine ökonomische Toilette herabspülen. Wir stimmen Bill Gross zu!
Wir haben mehrfach darauf verwiesen, daß strukturelle Defizite und nicht zyklische Probleme Hintergrund dieser Tatsache sind. Wir hoffen, daß dieses Bewußtsein sich auch in Washington durchsetzt und zu stringenten Reformen führt. Man könnte sich ja ein Beispiel an Griechenland, Spanien, Portugal oder Irland nehmen. Dann dürfen die Tanklastfahrer in den USA auch mal streiken (aktuell in Griechenland)… .
Kommen wir zu den Fakten: Das „Beige Book“, das Auskunft über die Wirtschaftslage in den einzelnen Fed-Bezirken liefert, bestätigt die abnehmende Konjunkturdynamik in den USA. Der O-Ton lautete, daß sich die Erholung in einigen Bereichen verlangsamte. Der produzierende Sektor expandiere weiter, auch wenn sich die Aufwärtsdynamik in einigen Distrikten der Fed abschwäche. Insgesamt käme es aber zu einer Erhöhung der Wirtschaftsaktivität. Die Arbeitsmarktsituation verbessere sich moderat.
Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter sank per Juni unerwartet um 1,0%. Erwartet war eine Zunahme um 1,0%. Der Vormonatswert wurde von -0,6% auf -0,8% revidiert. Diese Veröffentlichung paßt in das Bild des US-Konjunkturblues.
Der Gouverneur Kaliforniens Schwarzenegger hat den Notstand bezüglich des Staatshaushalts ausgerufen. Um Kosten zu sparen ist der Staat gezwungen, öffentliche Mitarbeiter in den Zwangsurlaub zu schicken. Dagegen ist die Situation in Griechenland doch ungleich besser, auch wenn derzeit die Mobilität dank eines Streiks eingeschränkt ist. Zwangsurlaub gab es dort noch nicht als Sparmodell. Seien wir gespannt, ob die Spekulationsherde, die Südeuropa angegriffen hat, nun den Angriff auf die USA anbläst? Oder bleiben die Damen und Herren still und brav? Sind sie auf einem Auge blind?
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem Dollar favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.2500-1.2550 neutralisiert den positiven Bias.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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