Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.2875 US-Dollar, nachdem am Dienstag im europäischen Handel Höchstkurse bei 1.3028 und im Anschluß Tiefstkurse bei 1.2839 markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 87.20. In der Folge notiert Euro-Yen bei 112.25 während Euro-Franken bei 1.3565 oszilliert. Am Vortag lieferte der Euro einen fulminanten Start mit Stärke auf allen Kanälen, ob gegen Dollar, Franken oder Pfund. Dieser Ausflug mit Euro-Pfund bei 0.8520, Euro-Franken bei 1.3670 oder Euro-Dollar jenseits der 1.3020 war kurzlebig und traf auf regen Widerstand. Das nehmen wir zur Kenntnis. In der weiteren Abfolge kam es zu markanten Gewinnmitnahmen, die das zunächst positive Bild für den Euro umkehrten. Das Fazit lautet, daß nach dem deutlichen Anstieg von 1.18 bis auf 1.30 in der Parität Euro-Dollar Ermüdungserscheinungen technischer Natur erkennbar sind. In der mittelfristigen Betrachtung kam es gerade erst zu einem markanten Kaufsignal zu Gunsten des Euro. Ergo ergibt sich Raum für technische Gegenbewegung oder Seitwärtsbewegung in der kurzfristigen Betrachtung. Mittelfristig bleibt das Bild zu Gunsten des Euro voll intakt.
Bezüglich der fundamentalen Situation haben wir uns bereits unmißverständlich geäußert. Die Weltwirtschaft läuft und wird auch durch Konjunkturschwäche der USA nicht gefährdet. Die USA hinken der Weltwirtschaft hinterher. Nur der Teil, der direkt mit der Weltwirtschaft verzahnt ist (Produktion, IT …), reüssiert. Binnenwirtschaftlich bleibt das Bild enttäuschend. Die Situation stellt sich zunehmend für die USA als prekär dar.
Schauen wir zurück auf die dominierenden Marktanalysen der vergangenen Monate, die uns den Dollar als sinnvolle Lösung der Devisenmarktallokation verkaufen wollten (was sie ja auch bezüglich der Kursentwicklung war). Meine ablehnende Haltung bezüglich der Argumentation dieser Analysen aber auch der Kursentwicklung (Nobody is perfect!) setzen wir als bekannt voraus.
Es wurde im Markt kolportiert, daß die USA stark aus der Rezession herauskommen. Fakt ist, daß die USA zuerst in die Rezession gefallen sind, am längsten (G-10 Basis) dort ausharrten und nach 2 bis 3 Quartalen Wachstum dank Finanzdopings in Höhe von 10% - 12% des BIP nun bereits wieder Schwächesignale nicht unbedeutender Art produzieren. Darüber hinaus ist die Qualität des US-Wachstums mit latent mehr als 10% des BIP als „Doping-Input“ schlicht weg und ergreifend eine Katastrophe. Mit auch nur ansatzweise selbstragenden Kräften hat die US-Wirtschaft nichts zu tun! Dieser Analyseballon ist geplatzt. Deutschland, das „laut“ kleingeschrieben wurde in US- und angelsächsischer Analyse, hat in allen ökonomischen Feldern aber auch der Defizitfrage stark reüssiert.
Die USA sollten laut der Dollar-„Fangemeinde“ als erste die Zinsen (eigentlich schon ab 4. Quartal 2010 ….) anheben. Nun ja, diese Annahme entpuppt sich gleichfalls als schwerwiegende „Ente“. Die „Dollar-Kaufkraft Burn Rate“ wird gepflegt und gehört heute in der „Erste Hilfe Set“ der US-Zentralbank für die US-Konjunktur, Hoenig hin oder her… .
Die Defizitdebatte, die aggressiv zu Lasten des Euro ausgeschlachtet wurde, hinterläßt ein Europa (Eurozone + UK), das sich restrukturiert und die USA, die bis 2020 sich weiter aggressiv neu verschulden wollen, ohne das Thema ernsthafter Restrukturierung auch nur anzufassen! Hier hat der Markt das sachlich opportune Thema zu 100% verfehlt!
Die zerfallende Eurozone steht nicht auf der absehbaren Agenda. Die frühzeitig von den Euroskeptikern nicht erwarteten Erfolge Griechenlands, Spaniens oder Irlands sind Ausdruck der gegenteiligen Entwicklung! Es gibt darüber hinaus keinen politischen Willen bei den Teilnehmern der Eurozone, eine Abspaltung auch nur ernsthaft zu erwägen!
Hier wird deutlich, daß die dominierende Marktideologie seit November 2009 mit heißer Nadel genäht wurde. „Heiße Nadeln und nordische Köpfe“ harmonieren halt nicht. Ich freue mich außerordentlich, daß nüchterne Betrachtungsweisen, die eine sachgerechte Allokation an den Devisenmärkten forcieren helfen, zunehmend bestimmend werden. Möge es auch so bleiben …
Wenden wir uns kurz und bündig den US-Neubaubeginnen und Baugenehmigungen per Juni zu. die Daten waren enttäuschend.
Es kam zu einem Rückgang von annualisiert 578.000 auf 549.000 (Prognose 570.000). Damit ergab sich der niedrigste Wert seit mehr als einem Jahr.
Baugenehmigungen stellten sich auf annualisiert 586.000 nach zuvor 574.000.
Fakt ist, daß mit der Beendigung der steuerlichen Förderung des Immobilienerwerbs, der Immobiliensektor verstärkt in die Krise rutscht. Hier wird offensichtlich, daß die US-Wirtschaft in wesentlichen Bereichen nicht ohne Finanzdoping Stabilität liefern kann. So etwas kann nicht beruhigen …
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem Dollar favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1,2500-1,2550 neutralisiert den positiven Bias.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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