Von Folker Hellmeyer
Euro/Dollar eröffnete bei 1.3615, nachdem im US-Handel Tiefstkurse bei 1.3606 markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 90.05. In der Folge notiert Euro/Yen bei 122.60, während Euro/Franken bei 1.4625 oszilliert. Das Thema US-Tankflugzeuge ist für EADS und Northrop Grumman geplatzt. Das Angebotsduo zieht sich zurück, da nach ihrer Ansicht die Wettbewerbsbedingungen auf Boeing zugeschnitten wurden. Die USA, der laute Protagonist der freien Märkte von gestern, zeigt mit dem aktuellen Verhalten einmal mehr, daß er seine Prinzipien von gestern nicht mehr lebt. Im Gegenteil impliziert dieses Verhalten ausgesprochene Schwäche. Immer deutlicher wird vor diesem Hintergrund, daß die Führungsrolle in der Welt von den USA nicht mehr in ansprechender Form erfüllt wird. US-Präsident Obama redete immer von „Change“. Der ist wohl zumindest mittel- bis langfristig in der Rolle der Führungsnation als auch der Weltleitwährung erforderlich, da protektionistisch ausgerichtete Nationen eine derartige globale Funktion nicht in einer sinnvollen Art und Weise ausfüllen können.
Strauss-Kahn (IWF) sagte, daß es absolut verständlich sei, daß Europäer versuchen, eine eigene Institution zu errichten. Ein europäischer Währungsfond (EWF) stände im Gegensatz zum IWF, deren Hilfspakete in einer fremden Währung an die Schuldner ausgezahlt würden. Der IWF ist Ausdruck des US-zentrischen Finanzsystems, in dem wir uns seit 1944 (Bretton Woods) bewegen. Vor dem zuvor thematisierten Aspekt eines langfristig notwendigen „Change“ in der Rolle der Weltleitwährung ist dieser Ansatz zu begrüßen. Dabei geht es nicht um eine kurzfristige Fokussierung auf die aktuelle Problematik um das Thema „PIIGS“, sondern um eine mittelfristige Neuorientierung, um das globale Finanzsystem stabiler zu gestalten.
Am Montag wurde die Daten zur deutschen Industrieproduktion per Januar veröffentlicht. Es ergab sich ein Anstieg gegenüber dem Dezember um 0,6%. Die Prognose war bei 1,0% angesiedelt. Gleichzeitig wurde der Vormonatswert von -2,6% auf -1,0% revidiert, so daß das Zweimonatsergebnis um 1,2% besser als erwartet ausfiel. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um +2,1% nach revidiert -5,2% (zuvor unrevidiert bei -6,7%) per Dezember.
Die Erholung der Wirtschaft setzt sich asiatischen Bereich weiter fort. Das belegen zumindest die Frühindikatoren aus Japan und Australien, aber auch aus der OECD und nahezu allen anderen Regionen der Welt. Per Januar legte der japanische Frühindikator laut vorläufigen Berechnungen von zuvor 94,7 auf 97,1 Punkte unerwartet stark zu. Der Index der Bewertung der aktuellen Lage stieg von 97,4 auf 99,9 Zähler. In Australien stieg der „NAB Business Confidence Index“ per Februar von zuvor 15 auf 19 Punkte. Der Index der Bewertung der aktuellen Lage verbesserte sich von 3 auf 8 Zähler. Offensichtlich hören die Wirtschaftssubjekte in dieser Region nicht die von Herrn Stark aus der EZB tönenden Signale. „Der Ausblick für die globale Wirtschaft sei mit beträchtlichen Risiken belastet. Die Krise würde das Wirtschaftswachstum dämpfen. Das Risiko einer globalen Stagflation sollte nicht unterschätzt werden.“ Überhaupt stellt sich hier die Frage, ob die EZB den Aufschwung seit Mitte 2009 richtig antizipierte oder derzeit die Prognosen sukzessive der nicht erwarteten Realität anpaßt?
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das nach wie vor den Euro gegenüber dem Dollar favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.3430-1.3450 neutralisiert den positiven Bias des Euro.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
Weitere Informationen zu kostenlosen Newslettern der Bremer finden sie hier.
Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.


