Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.3675 US-Dollar, nachdem am Donnerstag im US-Handel Tiefstkurse bei 1.3596 markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 89.75 In der Folge notiert Euro-Yen bei 122.75 während Euro-Franken bei 1.4655 oszilliert. Das Thema Griechenland ist adressiert. Griechenland ist gefordert seine Verantwortung in der Budgetpolitik wahrzunehmen. Griechenland erhält von Seiten der EU in diesem Prozeß Unterstützung. Konkrete Maßnahmen wurden nicht vereinbart. „Failure is no option!“
Diese Vereinbarung setzt Akzente:
Griechenland steht zunächst alleine in der Verantwortung, die selbst verursachten Probleme zu lösen. Jede andere Gangart mit einem dezidierten „Bail-Out“ oder Hilfsprogramm hätte den Druck auf die griechische Regierung und beinahe noch wichtiger den Druck auf die griechische Bevölkerung zu wesentlichen Teilen genommen, nachhaltige strukturelle Maßnahmen, die fraglos schmerzhaft sind, umzusetzen.
Deutlich ist auch, daß die Verantwortlichen der EU nicht bereit sind, den Euro auf dem griechischen „Altar“ zu opfern. Im Zweifelsfall kommt es zu Hilfsmaßnahmen. Es gibt eine europäische Solidarität. EU-Gruppenchef Juncker sagte, daß er diesen Fall nicht erwartet. Wenn es dazu käme, würden die Auflagen für Griechenland sehr schmerzhaft ausfallen. Damit gibt die EU der griechischen Regierung einen Steilpaß für die Debatte mit der eigenen Bevölkerung für die Durchsetzung nachhaltiger Sparpläne.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß einerseits der Druck auf Griechenland in der Sanierungspolitik unvermindert hoch ist und bleibt. Ein Scheitern Griechenlands oder des Euro steht andererseits nicht auf der Agenda. „Failure is no option!“
Am Vortag interpretierte der Finanzmarkt die Resultate mit einem Abverkauf des Euros. Hinsichtlich des zuvor dargestellten Status Quo stellt sich die Frage, ob diese Protagonisten ein „Free Lunch“ für Griechenland als Grundlage einer höheren Bewertung des Euros diskontiert hätten. Werden vom Finanzmarkt nur noch bedingungslose „Bailouts“ abgefeiert? Der fade Beigeschmack des „Euor-Bashing“ aus London und New York zur Ablenkung von den eigenen Defizitproblemen, die vollständig unadressiert bleiben, steht offen im Raum!
Die erste Schätzung des deutschen BIP im 4. Quartal lieferte gegenüber dem Vorquartal ein unverändertes Ergebnis (Prognose +0,2%). Der Außenhandel lieferte eine positiven Wachstumsbeitrag, Konsum und Investitionen waren rückläufig. Dieses Ergebnis ist auf ersten Blick bezüglich der Konsensusprognose enttäuschend. Der Rückgang des Konsums hat mit dem Auslaufen der Abwrackprämie zu tun. Zum Thema Investitionen gilt: „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“! Genau im Bereich Investition liegt ein nachhaltiges Potential per 2010 für eine positive Entwicklung des deutschen BIP! m Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um -1,7% (Prognose -2,2%). Dieser Wert impliziert, daß es zu positiven Revisionen in den Vorquartalen gekommen ist. Mithin liefert diese Veröffentlichung auf zweiten Blick nicht nur Wasser in den Wein, sondern offeriert bezüglich des Jahresvergleich eine handfeste positive Überraschung!
Die US-Arbeitslosenerstanträge sind per 6. Februar 2010 von zuvor 483.000 (revidiert von 480.000) auf 440.000 gesunken. Die Prognose lag bei 465.000. Die Tendenz erfreut und ermutigt. Das Niveau ist aber weiter bekanntes Terrain, das unverändert als kritisch zu bewerten ist.
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Dollar favorisiert. Ein Überwinden des Widerstands bei 1.3760 – 90 dreht den negativen Bias des Euro.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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