Von Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnete bei 1.3780 US-Dollar, nachdem am Vortag im europäischen Handel Tiefstkurse bei 1.3677 US-Dollar markiert wurden. Der Dollar stellt sich gegenüber dem Yen auf 89.90 In der Folge notiert Euro-Yen bei 123.85 während Euro-Franken bei 1.4665 oszilliert.
Wir beginnen unsere Kommentierung mit Herrn Bernanke. Er hat am Mittwoch seine „Exit-Strategie“ vorgestellt. Bevor wir diese Strategie würdigen, verweisen wir darauf, daß die Budgetpolitik des Weißen Hauses weiter massive Defizite vorsieht und damit von dieser Seite eine fortgesetzte Stimulierung geliefert wird. Das Volumen von circa 10 -11% des BIP oder 1.561 Milliarden Dollar per 2010 und 1.300 Milliarden Dollar per 2011 impliziert, daß die US-Wirtschaft weiterhin voll am „Stimulanstropf“ hängt und bisher keine selbsttragenden Kräfte entwickelt hat.
Vor diesem Hintergrund stellt Herr Bernanke nun seine „Exit-Strategie“ vor. Dürfen wir erwarten, daß eine Zinswende imminent ist?
Nein, Herr Bernanke sagt deutlich, daß in dem gegebenen Umfeld das Zinsniveau für eine erweiterte Periode extrem niedrig bleiben wird. Erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt stehen Leitzinsveränderungen auf der Agenda.
Das „Finetuning“ am Geldmarkt wird in naher Zukunft über die Verzinsung der bei der Fed unterhaltenen Guthaben gesteuert.
Im Rahmen zunehmender Finanzmarktfunktionalität wird Überschußliquidität durch Repos oder „Term Deposits“ abgeschöpft.
Der Diskontsatz wird im Zeitverlauf wieder den historisch gewohnten Abstand zum Leitzins bei 1,0% aufweisen. Derzeit liegt der Diskontsatz nur 0,25% oberhalb des Leitzinses. Der Diskontsatz spielt bei normalisierten Märkten eine absolut untergeordnete Rolle in der Refinanzierung der Marktteilnehmer.
Die Maßnahmen der Fed gehen in die richtige Richtung. Je besser die Finanzmärkte funktionieren, desto stärker muß die Überschußliquidität abgeschöpft werden (Aspekt Umlaufgeschwindigkeit), um Inflationsrisiken entgegen zu wirken. Eine Zinswende liefert diese „Exit-Strategie“ aber nicht. Das wäre in der Tat auch erstaunlich, da der Politikansatz des Weißen Hauses belegt, daß die US-Wirtschaft weiter subventioniert werden muß, um die aktuelle Performance zu liefern. Der US-Immobilienmarkt und die Baubranche, aber auch andere sensible Bereiche der US-Wirtschaft, sind noch nicht in der Lage, auf die Zinssubvention zu verzichten. Die Fed wird die Politik des Weißen Hauses unseres Erachtens über eine entgegengesetzte Zinspolitik nicht torpedieren. Mithin bleibt der Dollar eine „Billigzinswährung“ aus ökonomischen Zwängen heraus. Das klingt nicht nur unattraktiv, es ist unattraktiv!
Am heutigen Donnerstag steht der EU-Sondergipfel im Fokus des Markts. Es wird viel geschrieben, es wurde viel geschrieben. Wir haben uns in den vergangenen Tagen daran umfänglich beteiligt, das Thema sachlich einzuwerten. Bei dem heute anstehenden EU-Sondergipfel dreht sich alles um Griechenland und andere „Defizitsünder“ der Eurozone. Im Vorwege ergibt sich eine klare Tendenz auf den Regierungsebenen der EU, Griechenland im Stabilisierungsprozeß zu unterstützen. Offene Worte kamen diesbezüglich unter anderem von der österreichischen als auch französischen Seite. Entscheidend ist der Punkt, daß nur den Ländern geholfen werden kann, die sich selbst helfen. Streiks in Griechenland oder anderen Ländern sind zu ignorieren. Auch in Griechenland sollte das Bewußtsein greifen, das Rente mit 55 oder mit 60 nicht mehr zeitgemäß ist oder anders ausgedrückt sollte weder Deutschland noch ein anderes europäisches Land Frühverrentung in Griechenland subventionieren. Wir sind optimistisch, daß heute Verbalakrobatik geliefert wird, die verdeutlicht, daß von der südlichen Peripherie der Eurozone kein systemisches Risiko ausgehen wird.
Die US-Handelsbilanz wartete am Mittwoch mit einem ernüchternden und unerwartet schlechten Ergebnis per Dezember auf. Das Defizit erreichte mit -40,2 Milliarden Dollar das höchste Niveau seit einem Jahr. Mit dem Anstieg des Defizits über die Prognose von -36 Milliarden Dollar hinaus ergibt sich für das US-BIP per 4. Quartal 2009 negativer Anpassungsbedarf. Defizite bleiben Charaktermerkmale der USA….
Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Dollar favorisiert. Ein Überwinden des Widerstands bei 1.3810 - 40 dreht den negativen Bias des Euro.
Folker Hellmeyer ist Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank.
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