Von Bernd Niquet
Nach dem Chartquatsch der vergangenen Woche heute wieder einmal etwas sehr Ernsthaftes: Im Laufe der Jahre habe ich eine sehr einfache Investmentregel entwickelt, die ich stets implizit verfolgt und damit gute Erfolge erzielt habe. Heute formuliere ich sie zum ersten Mal.
Diese Regel ist an eine Voraussetzung gebunden, die notwendig ist, für ihr Funktionieren: Die Weltwirtschaft muss mittel- bis langfristig weiter wachsen. Passiert das nicht, wird die Regel außer Kraft gesetzt. Doch angesichts der enormen Aufholpotentiale von großen Teilen der Welt zum Wohlstand der großen Industrieländer habe ich hier wenig Sorge.
Die Regel ist sehr einfach und setzt sich aus zwei Punkten zusammen:
(1) Sobald der Markt innerhalb kurzer Zeit 40 Prozent vom Top verloren hat, dann kaufe und halte anschließend.
(2) Warte bis der Markt 100 bis 150 Prozent zugelegt hat, dann verkaufe. Halte anschließend erneut Ausschau nach (1).
Im Grunde genommen handelt es sich hier um eine Kombination aus dem altbewehrten Buy-and-hold, das heute so sträflich überall diskreditiert wird, weil man stets zu ungünstige Einstiegszeitpunkte annimmt, was jedoch durch die andere alte Regel, zu kaufen, wenn die Kanonen donnern, erfolgreich behoben wird.
Was man dabei kauft und welche Aktienanteile man wählt, überlasse ich dem Gusto des jeweiligen Anlegers. Am besten große, weltweit orientierte Blue Chips – und den Aktienanteil nach der alten Formel: 100 minus Lebensalter. Und wie stehe ich selbst jetzt zur Zeit damit? Viele Positionen sind noch im Verlust, andere jedoch schon mehr als 50 Prozent im Gewinn. Insgesamt noch leicht rote Zahlen, dafür aber alles steuerfrei auf Lebenszeit. Ab 8.000 Punkte im Dax werde ich langsam anfangen, zu verkaufen. Erreichen wir diese Marke im Jahr 2012, dann wären das 25 Prozent pro Jahr steuerfrei.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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Bernd Niquet, Der MADchester-Kapitalismus. Das Buch zur Krise, München 2008, 143 Seiten. 12 Euro, ISBN 978-3-937200-49-1.
Leseprobe: „Bis vor Kurzem ist ja noch immer alles gut gegangen. Alle Krisen haben wir hervorragend überstanden. Doch während die Arbeiten zu diesem Buch abgeschlossen werden, hat gerade die letzte deutsche Großbank ihre Auszahlungen gestoppt. Was nun kommt, ist völlig offen. Wir betreten historisches Neuland. Die Situation ist besorgniserregend. Die Regierungen und Notenbanken weltweit tagen fieberhaft. Immer wieder ist von so einer Situation geredet worden, doch niemand hat geglaubt, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Entsprechend unvorbereitet ist man."
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