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Danke für die Enteignung, EU!

Donnerstag, 11. August 2022 um 08:48

Von Bernd Niquet

Wussten Sie eigentlich schon, dass ich ein russischer Oligarch bin? Bernd Niquet ein russischer Oligarch... . Nee, wussten Sie nicht? Ich ehrlich gesagt auch nicht.

Doch jetzt hat mir die EU Teile meines Vermögens blockiert – und was daraus wird, weiß niemand. Genau wie bei den russischen Oligarchen. Vielen Dank dafür! Aber wenn es dem Weltfrieden dient… .

Und wenn Bernd Niquet so Wladimir Putin in die Knie zwingen kann, dann wird er dieses Opfer gerne bringen. Irgendwie habe ich allerdings Zweifel.

Denn es funktioniert doch nicht mit den Sanktionen, oder? Putins Schergen kriegt man nicht, die Wirtschaft dort kommt auch nicht zum Erliegen, dafür werden jetzt die deutschen Anleger enteignet. Ein tolles Modell, große Klasse.

Aber so ist das eben, wenn die europäischen Entscheider auf Großwildjagd gehen, dann verliert eben immer auch eine Menge Kleinvieh sein Leben, tant pis, c´est la vie.

Es lebe Brüssel und es lebe Straßburg, Gottes Heimat auf Erden. Über alles in der Welt.

Im Prinzip ist es hier jetzt das Gleiche wie mit den anderen kleinen Leuten in unserem Land, denen kleine Häuser gehören, die aber keine Heizungen besitzen, die mit der Linie der Parteiführung übereinstimmen und daher jetzt leider pleite gehen müssen. Man muss eben Opfer bringen für Vaterland und Weltklima.

Aber Sie wollen jetzt natürlich wissen, was ich mit blockiertem Vermögen meine. Also: Wer nicht so ein schlechter Mensch war, deutsche oder amerikanische Rüstungsaktien zu kaufen, sondern in friedlichen russischen Energiewerten investiert hat, der besitzt nicht die Aktien selbst, sondern sogenannte ADRs, American Depositary Receipts.

Diese ADRs verbriefen die Anrechte auf russische Aktien, deren Bestand beim Emittenten der ADRs in den USA liegen. So weit, so gut und sicher.

Mittlerweile sind jedoch in Reaktion auf die Sanktionen gegen Russland von Russland in einem Gegenschlag die ADR-Verträge gekündigt worden. Normalerweise würde der Anleger jetzt anstelle der ADRs die Original-Aktien bekommen, doch das verbietet das US-Sanktionsrecht.

Und es kommt noch schlimmer. Denn eine Übertragung wäre nur möglich, wenn die russische Wertpapiersammelbank NSD eingeschaltet wird, welche jedoch die EU mit Sanktionen belegt hat.

Es gibt zwar einige Banken auf Zypern, die hier noch Kontakt haben, doch bisher hat nach Aussage meiner Direktbank noch keine einzige erfolgreiche Übertragung stattgefunden. Und sollte das vielleicht doch gelingen, ist es natürlich spannend, wo die Papiere dann auf Zypern verschwinden.

Dem Anleger bleibt also vorerst nichts anderes übrig, als zu warten. Vielleicht kann die Institution, die die russischen Aktien hält, sie ja verkaufen? Doch zu welchem Preis? Ich hingegen denke eher, die Russen werden sich sperren, die im Westen lagernden Papiere für wertlos erklären und dafür neue russische Exemplare ausgeben, die sie dann gratis an verdiente Genossen verteilen.

Betroffen sind hiervon natürlich auch alle europäischen Osteuropa-Fonds, von denen einige bereits begonnen haben, ihre Anteile zu splitten, die russischen Papiere in einen Extra-Fonds packen und den normalen Fonds „ex Russland“ notieren lassen.

Zum Glück habe ich bei meinen Papieren am letzten regulären Handelstag, Freitag, dem 25. Februar, noch in einem regelrechten Parforceritt meine ganzen Gazproms wegbekommen und einen Großteil der Nornickels.

Das war eine schwierige Entscheidung, weil ich diese Papiere nämlich vor 2009 gekauft habe, sie also steuerfrei waren. Und so einen für immer festgeschriebenen Steuervorteil gebe ich natürlich nicht gerne weg. Zudem war die Rendite sagenhaft, weit mehr als 6 Prozent. Davon konnte ich immer zwei Monatsmieten begleichen. Da trennt man sich dann wirklich nicht so leicht.

Doch als an diesem Freitag nachmittags dann die Kurse noch einmal urplötzlich aus dem Nichts heraus anzogen, habe ich mir gesagt: Los jetzt, raus! Es hilft ja nichts, denn das alles wird kein gutes Ende nehmen.

Und damit liege ich wohl richtig. Aber puh, das war knapp. Diese Steuerfreiheit bewirkt eben manchmal einen wirklich beinahe tödlichen Lock-In-Effekt. Und jetzt halte ich nicht mehr viel von diesen Papieren. Ich habe sie innerlich auch bereits abgeschrieben.

Doch ich muss schon sagen: Eigentlich habe ich wirklich mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass es einmal meine EU sein wird, die mir dieses Geld klaut.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SIEBENTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2021, 635 Seiten, 22 Euro

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In Kleists Drama "Penthesilea" geht es um den Konflikt zwischen einem gefühlsintensiven Individuum und der gesellschaftlichen Ordnung, die diesen Gefühlen entgegensteht. Penthesilea, die Königin der Amazonen, erobert im Kampf Männer, um sie zur Zeugung neuer Kriegerinnen mitzunehmen. Nach vollzogenem Zeugungsakt entlässt sie die Männer wieder in die Freiheit. Nur ihrem Geliebten stellt sie nach, was diesen letztlich sein Leben kostet. Kann es sein, dass ich in meinem Leben mehrmals nur haarscharf an vielem aus dieser Tragödie vorbeigeschrappt bin? Und dann ist ja auch noch Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist nur unweit meiner Wohnung freiwillig aus dem Leben geschieden.

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt am wunderschönen grünen Rand seiner ansonsten mittlerweile ungeliebten Heimat Berlin. Die vorangegangenen sechs Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018, 2019 und 2020.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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