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Verfluchte Mathematik

Donnerstag, 9. September 2021 um 13:06

Von Bernd Niquet

Liebe Leser, ich muss Sie warnen, denn ich bin manchmal ganz schön dumm. Deswegen brauche ich ewig, bis ich etwas verstehe. Aber vielleicht geht Ihnen das ja manchmal auch so?

Sehr oft habe ich mich gefragt, warum an den Börsen manche Umsätze zu bestimmten Preisen überhaupt stattfinden. Da muss doch jemand nicht ganz bei Verstand sein, oder?

Nehmen wir zum Beispiel die langlaufende Bundesanleihe bis zum Jahr 2050, die keinen Zins bringt und in der Spitze bis auf ein Niveau von 117 Prozent des Nominalwertes angestiegen ist. Wie kann so ein Umsatz zustandekommen?

Für den Verkäufer ist es natürlich rational, ein Papier auf diesem Niveau zu verkaufen. Doch wer kauft hier? Das muss doch ein Idiot sein. Schließlich bedeutet das einen garantierten Verlust von 17 Euro pro 100 Euro Nominalwert. Und die Greater-Fool-Theorie greift hier wohl eher schwerlich.

Oder nehmen wir einen willkürlich herausgepickten Optionsschein auf den Dax. Ein Put mit Basis 12.800, Laufzeit noch 9 Tage. Für den bekommt man immer noch 3 Cents. Doch wer bezahlt die, wo er doch erst dann einen Gewinn erzielen würde, wenn der Dax in 9 Tagen um 3.000 Punkte fällt.

Und das scheint mir doch reichlich unwahrscheinlich zu sein.

Also, warum ist das so? Haben wir hier irgendwo Zombies herumzulaufen, Verstandslose? Ich war lange völlig ratlos. Doch die Lösung ist erstaunlich einfach. Ich habe nur lange gebraucht, um darauf zu kommen.

Es sind natürlich die Emittenten, die sich anscheinend verpflichten müssen, börsentäglich Kurse zu stellen, um einen Handel möglich zu machen. Die Deutsche Finanzagentur genauso wie die Privatbanken, welche die Optionsscheine herausgegeben haben.

Und wie berechnen sich nun die jeweiligen Preise? Durch ein mathematisches Modell, gleichsam einen Finanzalgorithmus. Also so etwas wie ein Klimamodell im Kleinen.

Ich habe dieser Sache jedoch niemals getraut und deswegen schon rein intuitiv niemals einen Optionsschein weit aus dem Geld gekauft, weil mir da jede Sicherheit fehlte. Im Geld ist das ganz anderes, denn da besitzt so ein Schein einen inneren Wert, den man durch Ausübung auch realisieren kann.

Doch es scheint zu funktionieren mit den frei über das Geld hinaus schwebenden Berechnungsmodellen. Obwohl ich sie genausowenig verstehe wie die Klimamodelle.

Und eigentlich ist das ja auch clever. Denn so zeigt sich der Markt als beste denkmögliche Lösung für Probleme, die anderweitig nicht lösbar wären. Die Emittenten müssen sich so zwar zum Teil Verluste einkaufen, doch sie haben ja vorher auch riesige Gewinne gemacht.

So funktioniert unsere Finanzwelt. Und das ist sicher gut und richtig so.

Leider ist die Geschichte hier jedoch nicht an ihrem Ende angekommen. Denn es scheint mir sicher zu sein, dass bald unser gesamtes Leben derartigen Algorithmen unterworfen sein wird.

Denn genauso wie der Optionshandel im Finanzbereich nur durch ausgeklügelte mathematische Modelle möglich ist, lässt sich auch der Klimawandel nur auf vergleichbare Art nachweisen. Und das ist sicher auch gut und richtig so, zumindest mit Einschränkungen.

Doch was ist nun, wenn sich dieses Modell auch in der Medizin durchsetzt? Wenn nur derjenige eine bestimmte Operation oder Therapie bekommt, der den Parametern des Algorithmus entspricht?

Oder noch weiter getrieben, derjenige, der ihm nicht entspricht, zu bestimmten anderen Operationen oder Medikamenten gezwungen wird, um dann doch noch in das gewünschte Therapieprogramm hineinzukommen?

Wahrscheinlich kann man dann nur noch dadurch etwas retten, indem man alles Geld zusammenkratzt und sich einen fetten Put auf das eigene Leben kauft. Dann ist wenigstens für die Nachkommen gesorgt.

Das jedoch ist sicher nicht gut und richtig so.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SECHSTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2020, 621 Seiten, 22 Euro

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de

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Bernd Niquet und seine Tagebücher: „Der wirkliche Donnerschlag kommt dann mit Verzögerung. Auch braucht mein Inneres einige Zeit, um ihn zu realisieren. Doch als die Dinge dann klar sind und in mir sacken, mache ich etwas, was ich vorher beim Tagebuchschreiben noch niemals gemacht habe. Ich unterstreiche die wichtigen Passagen nicht wie sonst mit meiner blauen Tinte, sondern mit schwarzem Filzstift. Einunddreißig Jahre schreibe ich mittlerweile Tagebuch, das zeigt die Dimension. Hinterher bin ich selbst erschrocken. Das Tagebuch sieht jetzt aus, als sei jemand gestorben. Und in meinem Inneren fühlt es sich auch tatsächlich so an.“

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und lebt in einem ruhigen Außenbezirk von Berlin. Die vorangegangenen fünf Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013, 2018 und 2019.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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