23.01.2021 - 16:14 | Lesezeichen | Startseite | Newsletter | Suche | Kontakt | Seite drucken | Sitemap   
 
   

Wo Sie neue
Boom-Börsen finden?!

 

  Geheime Aktien-Gewinnstrategie?!

      Menü

    Home

      Wissen

      Börsen-ABC
      Anlegerrecht


        Twitter & Facebook

        



Anzeige  


 

Suche

 


Kursabfrage

 



 
Kunst im Frühling


 


 

 

 

 

Ob das wirklich so gedacht gewesen ist?

Mittwoch, 23. Dezember 2020 um 17:31

Von Bernd Niquet

Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch im Lande, dessen Leben sich 2020 durch Corona nicht geändert hat. Schließlich arbeite ich schon immer im Homeoffice, mache meine Reisen mit dem Rad ins Umland und kommuniziere mit meinen Kindern, Freunden und Bekannten über den Computer. Und Einkaufen hasse ich wie die Pest. Wie schön daher, dass sich jetzt nicht einmal mehr die Chance dazu ergibt.

Dennoch war 2020 für mich ein sehr spezielles Jahr, denn ich bin mit Dingen konfrontiert worden, die ich vorher immer vermieden hatte, wie die Auseinandersetzung der griechischen Philosophen mit der Unsterblichkeit der Seele und auch die These des Christentums eines Lebens nach dem Tode. Und diese besinnlichen Gedanken passen ja nun wirklich hervorragend zu diesem Jahr und seinem seltsamen Weihnachtsfest.

Leider geht es mir in Hinsicht auf alles Übersinnliches wie dem Schriftsteller Michel Houellebecq, ich würde so gerne (daran) glauben, doch es geht einfach nicht. Dennoch finde ich die Beschäftigung mit diesen alten Wurzeln des abendländischen Denkens extrem inspirierend, denn ich sehe jetzt vieles deutlich anders als vorher.

Um das alles sofort auf einen griffigen Punkt zu bringen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus Christus für den Irrwitz, den wir Menschen heute veranstalten, am Kreuz gestorben ist. Und daraus können rein logisch betrachtet eigentlich nur zwei Möglichkeiten folgen. Entweder ist die Jesus-Geschichte nur eine Erfindung und der Glauben daran Unsinn oder wir Menschen sind komplett verrückt. Wobei ich leider glaube, das beide Möglichkeiten gleichermaßen zutreffen.

Neben den ganzen Konsumgeschichten, dem Umwelt- und dem Klimathema, der Überbevölkerung, der Ungerechtigkeit und so weiter ist da vor allem eine Sache, die mir nicht in den Kopf geht und die derzeit ja wirklich Hochkonjunktur hat. Es geht um die Behandlung von Sterbenden und vor allem von Toten.

Hier gibt es eine Zweiteilung, die ich absolut nicht verstehe. So lange ein Mensch lebt, ist er für uns alles, doch sobald er tot ist, ist er ein Nichts. Wir schieben selbst 90-Jährigen ohne jede weitere Lebenschancen noch Schläuche in Mund und Nase, um ihr Leben um ein paar Stunden, Tage und Wochen zu verlängern, doch wenn sie dann tot sind, schneiden wir sie auf wie die Schweine im Schlachthaus, nur für die Statistik, um zu sehen, woran sie gestorben sind.

Und das, weil die Naturwissenschaft uns das so sagt. Natürlich ist mir klar, warum so verfahren wird und ich sehe auch die Gründe für Organspenden, doch es benötigt hier schon ziemlich gewagte scholastische Konstruktionen und religiöse Spitzfindigkeiten, um so etwas in einem christlichen Land zu ermöglichen, das eigentlich an ein Weiterleben nach dem Tod glaubt.

Wenn es wirklich einen Jesus Christus gegeben hat, der für die Menschen am Kreuz gestorben ist, frage ich mich allen Ernstes, ob das wirklich so gedacht gewesen ist? Dass dann lauter Zerschnittene vor ihren Herren treten... .

Aber es ist ja sowieso so eine Sache mit den christlichen Organisationen, was mir allerdings erst richtig klar geworden ist, seit ich vor zwei Jahren einen christlichen Verein als Vermieter habe. Denn der scheut sich doch keineswegs, selbst den allerältesten seiner Mieter mitten im Corona-Lockdown Handwerker für komplett unwichtige Wartungsarbeiten in die Wohnung zu schicken.

Und das wohl vor allem aus dem Grund, um dann wirklich sagenhafte Kosten in der nächsten Betriebsabrechnung aufführen zu können. Und davon profitiert mit Sicherheit auch die ach so christliche Famiglia. Kick-backs à la Italia? Das ist bestimmt so gedacht gewesen, allerdings nicht von Jesus Christus.

Da ich neben sämtlichen Staffeln und Folgen von „Allein gegen die Mafia“, „Gomorrha“ und „Il Cacciatore“ auch alle anderen italienischen Mafia- und Anti-Mafia-Filme gesehen habe, ist mir so ein Vorgehen natürlich mehr als vertraut. Und Pontius Pilatus war doch schließlich auch Italiener, also Römer, oder?

Natürlich würde ich niemals ein Zusammengehen von Kirche und Mafia behaupten, doch es ist schon interessant, wie manche Dinge sich reimen. Und so stammt denn auch einer der berührendsten Momente, den ich im gesamten Jahr 2020 erfahren habe, von einem Pilatus-Italiano, einem Mafioso.

Es ist dies die Filmfigur des Tano Cariddi, die in der Schlußszene der zehnten und letzten Staffel von „Allein gegen die Mafia“, kurz bevor sie sich mit dem Archiv, in dem alle Betrügereien der Politiker seit Jahrzehnten gespeichert sind, in die Lava des Ätna stürzt, noch diese wundervolle Geschichte erzählt:

„Wenn ein Tropfen aus dem Ozean verdunstet, denken die anderen Tropfen, er wäre gestorben. Er hingegen lebt im Himmel weiter. Und wird irgendwann in den Ozean zurückkehren. Aber die anderen Tropfen können das nicht wissen, solange sie nicht den selben Weg genommen haben.“

Und das ist sogar von der Grundlage her naturwissenschaftlich korrekt. Was jedoch ist der Mensch?

Ich wünsche Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest!

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. SECHSTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2020, 621 Seiten, 22 Euro

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de

oder bei Amazon


 

Bernd Niquet und seine Tagebücher: „Der wirkliche Donnerschlag kommt dann mit Verzögerung. Auch braucht mein Inneres einige Zeit, um ihn zu realisieren. Doch als die Dinge dann klar sind und in mir sacken, mache ich etwas, was ich vorher beim Tagebuchschreiben noch niemals gemacht habe. Ich unterstreiche die wichtigen Passagen nicht wie sonst mit meiner blauen Tinte, sondern mit schwarzem Filzstift. Einunddreißig Jahre schreibe ich mittlerweile Tagebuch, das zeigt die Dimension. Hinterher bin ich selbst erschrocken. Das Tagebuch sieht jetzt aus, als sei jemand gestorben. Und in meinem Inneren fühlt es sich auch tatsächlich so an.“

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und lebt in einem ruhigen Außenbezirk von Berlin. Die vorangegangenen fünf Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013, 2018 und 2019.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

Anzeige


 


 
 
 
 
 
 
 
       
     


© 1999 - 2018 by instock.de | Mediadaten | Impressum | Datenschutz