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Selbstmord als Überlebensstrategie

Donnerstag, 19. Mrz 2020 um 12:35

Von Bernd Niquet

Liebe Leser, das Folgende wird Sie vielleicht schockieren, doch ich finde, es ist die Pflicht jedes Journalisten, zu jeder Zeit die eigenen Gedanken klar zu artikulieren. Vor allem in Zeiten, in denen die demokratische Willensbildung durch eine Allparteienregierung ersetzt worden ist, wie wir das gerade erleben.

Denn das Virus ist kein Diktator, der uns vorgibt, was wir zu tun haben. Wir müssen das selbst entscheiden. Und wo Menschen Entscheidungen treffen, ist niemals etwas alternativlos, sondern es muss immer diskutiert werden. Eigentlich jedenfalls.

Ich fange mal positiv an. Ich halte den Vorwurf an die Politik, zu spät gehandelt zu haben, für falsch und für unfair. Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Bürger am Anfang bei allen Maßnahmen geschrien haben: „Übertrieben!“ Und wenige Wochen später dann geklagt haben: „Warum hat man nicht viel früher gehandelt?!“

Als 2009 die Schweinegrippe ausgebrochen ist, hat die WHO vor bis zu 2 Milliarden (!) Toten gewarnt. Am Ende sind es weltweit etwa 284.000 Tote gewesen. Wirtschaftliche Auswirkungen hatte das jedoch keine. Und die Aktienmärkte sind parallel dazu gestiegen.

Im Winter 2017/18 ist in Deutschland die Grippewelle besonders stark ausgefallen und hat uns in Deutschland nach Angaben des RKI 25.000 Tote beschert. Damals gab es dazu nur Meldungen unter „Vermischtes“. Aus diesen Gründen finde ich unsere Maßnahmen am Anfang rational.

Jetzt jedoch stellen sich ganz andere Fragen: Ist es vernünftig, unsere Volkswirtschaften in Deutschland und Europa in den Abgrund zu fahren, um eine klar spezifizierbare und abgrenzbare Personengruppe zu schützen und zu retten?

Wäre es nicht sinnvoller, sämtlichen Einsatz auf die Abschottung und Betreuung dieser Risikogruppe zu konzentrieren, und den Rest der Bevölkerung jetzt die Infektion durchmachen zu lassen, die sie ja ohnehin durchmachen muss? Dann könnte die Wirtschaft weiterlaufen.

Ganz konkret auf den Punkt gebracht: Der Wirtschaftsminister hat versprochen, niemand würde durch die Krise seinen Job verlieren. Und der Finanzminister hat durchblicken lassen, allen Unternehmen und Gewerbetreibenden angemessen helfen zu wollen. Derzeit ist die Rede von 40 Milliarden Euro.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: (1) Hält der Staat sein Versprechen, sind die 40 Milliarden Euro nur ein winziger Tropfen. Dann geht es um die Staatsfinanzen als Ganzes. Denn man kann nicht die Einkommen einen halbes Landes bezahlen, wenn einem gleichzeitig auch noch die Steuereinnahmen wegbrechen. (2) Hält er sein Versprechen hingegen nicht, gibt es Millionen wirtschaftlich Tote.

Meine Frage ist daher: Nutzt es den gesundheitlichen Risikogruppen, wenn wir jetzt die wirtschaftlichen und finanziellen Grundlagen unseres Staates zerstören, mit deren Geld wir ja gerade deren Hilfe finanzieren?

(Ich kann mir aber vorstellen, dass viele Politiker von der linken Seite jetzt trotz aller Bestürzung innerlich jubeln. Denn endlich haben sie das, wovon sie schon immer geträumt haben. Nicht der Markt regiert mehr, sondern sie sind es, die nach ihrem eigenen Gutdünken die Wohltaten wie die Übel verteilen können.)

Völlig unverständlich bleibt mir jedoch, warum die kleinen Läden schließen müssen, die nur wenige Kunden haben, die großen Supermärkte hingegen, in denen die Massen aufeinandertreffen, offen bleiben.

Ich habe mit den Inhabern der Läden in der Nähe gesprochen, die ich alle kenne und deren Mühen beim Aufbau ihrer Geschäfte ich miterlebt habe. Sie werden es wohl alle nicht schaffen. Ich habe geweint.

Denn das Schlimmste an allem ist doch, dass es keine Zeitvorstellung gibt. Bis nach Ostern halten sicherlich noch alle durch. Doch welcher Politiker wird sich trauen, die Quarantänebestimmungen aufzuheben, wenn die Infektionen immer noch zunehmen und weiter gestorben wird?

Denn dass die Infektionen, die wir per Test ermitteln, bis auf unabsehbare Zeit weiter steigen werden, ist klar. Wenn nämlich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung das Virus bekommen werden, ist das zwangsläufig so. Und je mehr wir testen werden, umso mehr positive Befunde.

Wann also wird sich jemand trauen, zu sagen: Schluss? Und wird sich das überhaupt jemand trauen? Wir haben uns in eine gefährliche Situation begeben, aus der der Ausweg schwierig wird.

Ich denke, wir müssten langsam so ehrlich werden, wie Boris Johnson das in Großbritannien bereits ist. Es wird viele Tote geben und das sollte die Politik den Menschen sagen. Wobei ich persönlich wette, dass wir bei uns im Lande unter den Todeszahlen der Grippewelle von 2017/18 bleiben werden.

Unsere Kanzlerin hat gerade von der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gesprochen. Deshalb sollten wir daran denken, dass in diesem Krieg mehr als 400.000 US-Soldaten gefallen sind, um Deutschland von der Hitler-Regentschaft zu befreien. Sowie mehr als 270.000 britische.

Und sprechen wir es doch ehrlich aus: Das waren Menschen, die von demokratisch legitimierten Regierungen bewusst geopfert wurden.

Wir hingegen wollen heute alle retten und geraten dabei in Gefahr, unsere eigene Lebensgrundgrundlage zu zerstören. Das ist ein bemerkenswerter Wandel des Denkens. Verstehen Sie das jedoch bitte nicht als Votum, es ist eine reine Feststellung.

Und noch eine Feststellung, die Börse betreffend: Wer an der Börse engagiert ist, wird weiter zittern müssen. Um sein Vermögen und seine Altersversorgung. Das wird ein hartes Jahr.

Für Börsianer gibt es jedoch auch eine gute Nachricht. Denn das, was jetzt verloren wird, wird hinterher wieder zurückgewonnen. Wenn wir irgendwann durch sind durch das Schlimmste und die massiven Konjunkturprogramme greifen, werden wir, so tippe ich, ein Wirtschaftswunder wie zu Erhards Zeiten erleben.

Das Schlimme daran ist jedoch, dass davon eben nur die Großen profitieren werden. Die kleinen Selbständigen, Gewerbetreibenden, Restaurantbesitzer und Ladenbetreiber, die dann pleite sind, für die wird es kein Zurückgewinnen geben. Die sind dann tot.

 

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein n e u e s Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. FÜNFTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2019, 624 Seiten, 22 Euro

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Bernd Niquet und die Flüchtlingskrise. Die Geschichte von Bernd Niquet ist mittlerweile in den Jahren 2015 und 2016 angekommen. Das ist die Zeit des massenhaften und ungehinderten Zustroms von Flüchtlingen nach Deutschland. Die Hauptfigur der Ereignisse muss jetzt nicht mehr wie vorher nur die Lasten seines eigenen Lebens und seiner familiären Verhältnisse schultern, sondern sieht sich darüber hinaus gezwungen, aus sich selbst herauszutreten und sich ganz grundsätzliche weiterführende Gedanken zu machen.

»Immer, wenn die große Mittelmacht auf dem europäischen Kontinent verrückt spielt, resultieren daraus immense Verwerfungen. Wird der wirtschaftlichen Nord-Süd-Teilung zur Eurorettung jetzt auch noch eine kulturelle Ost-West-Spaltung zur Flüchtlingsrettung hinzugefügt? Denn das hieße ja nichts anderes als die bildliche Kreuzigung unseres Kontinents.«

Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und lebt trotz seines Umzugs im vergangenen Jahr weiterhin im selben ruhigen Außenbezirk von Berlin. Die ersten vier Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen, und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2018.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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