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Eigentlich war das doch total klar

Donnerstag, 2. Mai 2019 um 13:29

Von Bernd Niquet

Erst als ich die vorangegangene Kolumne geschrieben habe, ist es mir richtig klar geworden: Manche Entwicklungen ergeben sich tatsächlich zwangsläufig. Leider sieht man das meistens erst im Nachhinein.

In dieser Kolumne hatte ich Ihnen ein Bild geschildert, wie Frankreich in den 50er Jahren aussah. Und ich denke, dass das gleichermaßen auch auf Deutschland so zutraf.

Damals gab es noch Regelmechanismen in der Wirtschaft und stabile Kreislaufprozesse. Es gab zwar Wachstum, doch das war kein Zwang. Der Klimaschutz, der heute ein so großes Thema ist, ergab sich damals von selbst.

Wenn nicht alles auf das Wachstum aufgebaut ist, muss man auch keinen Klimaschutz betreiben. Genauso wie derjenige, der sich nicht an jedem Abend komplett besäuft, in der Regel nicht um seine Leber zittern muss.

Natürlich waren die Menschen damals nicht so reich wie heute. Jedenfalls nicht in Hinsicht auf den in Geld- und Güterkategorien gemessenen Reichtum. Waren sie deswegen unglücklicher? Ich bezweifele das sehr. Mit einer Betonung auf: sehr.

Dann jedoch hob die Rakete ab. Es ging los, was niemand vorher je für möglich gehalten hat. Das größte Wachstum der Weltgeschichte.

Mein Vater hat mir erzählt, zum Kriegsende geglaubt zu haben, wohl niemals mehr im Leben dauerhaft satt zu werden. So kann man sich täuschen.

Doch das ist nur die eine Seite des Wachstums. Die riesige Zunahme an Gütern. Die andere ist die finanzielle. Und da ist es natürlich klar, dass die Aktienkurse explodieren mussten. Sie mussten! Es führte gar kein Weg daran vorbei.

Und dieser Prozess ist ja immer noch mitten im Laufen. Ich sehe daher zwei Entwicklungen auch in Zukunft weiterhin als zwangsläufig an: Erstens: Wir werden die Erde immer weiter zerstören. Zweitens: Die Aktien der Unternehmen, die hier an entscheidender Position mitwirken, werden weiter steigen.

Es geht doch schlichtweg gar nicht anders. Beides.

Wachstumspausen sind natürlich möglich. Jedenfalls im Rückblick. In Zukunft bin ich mir da gar nicht mehr so sicher. Denn eine Rakete legt ja auch keine Pause ein.

Ich habe mir einmal herausgesucht, wie sich die Aktien eigentlich seit meiner Geburt entwickelt haben. Das Ergebnis sieht so aus:

In meinen ersten zehn Lebensjahren von 1956 bis 1966 ist der Dow Jones von knapp unter 500 auf knapp unter 1.000 geklettert. Im zweiten Jahrzehnt herrschte Stagnation, im drittes Jahrzehnt gab es dann wieder ein Plus 50 Prozent.

Zum Ende der 80er Jahre, nach dem Mauerfall und dem Beginn der Globalisierung, zündete dann die Hauptstufe der Rakete. Und die Aktien haben sich binnen dreißig Jahren mehr als verzehnfacht.

Und ich sehe nicht, dass wir in absehbarer Zeit irgendwo landen und Ruhe finden würden.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet

 

******* Von Bernd Niquet ist ein neues Buch erschienen *******

Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes. VIERTER TEIL“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2018, 618 Seiten, 18 Euro

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Bernd Niquet erzählt darin die Geschichte vom ungewöhnlichen Leben seines Protagonisten weiter. Auch dieses Mal geht es um die grundlegende Frage, an der der Autor seit mittlerweile drei Jahrzehnten arbeitet, nämlich wie sich das Leben und die Reflexionen darüber im Zeitablauf entwickeln und verändern. Und wie bei jeder echten Entwicklungsgeschichte, so ist auch hier kein Ende absehbar. Die ersten drei Bände von »Jenseits des Geldes« sind in den Jahren 2011 bis 2013 im Engelsdorfer Verlag erschienen, und die nächsten drei Teile existieren bereits in Rohform und werden vom Einbruch der Flüchtlingskrise in die abgeschottete Welt, von anwachsenden Auseinandersetzungen sowie einem niemals für möglich gehaltenen Zerwürfnis handeln.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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