Von Bernd Niquet
Ach, was tun wir nicht alles, um die Unternehmen gut verdienen und die Aktienkurse steigen zu lassen. Doch manchmal klappt es eben einfach nicht, wie wir gerade sehen. Doch auf mittlere und lange Sicht werden wir das schon wieder hinkriegen, da bin ich ganz sicher.
Heute ist der 14. Juli, und dieser Tag ist schon seit jeher mein privates Heiligtum des Jahres. Der 14. Juli, auch der Tag meiner Befreiung aus Abhängigkeit und Unterwerfung – trotz aller Schwierigkeiten in der sich daran anschließenden Periode der Freiheit. Vielleicht muss man französische Wurzeln haben, um das richtig verinnerlichen zu können.
Im Gegensatz zu diesem Datum ist mir der Ort, um diesen Tag zu feiern, vollkommen egal. In den vergangenen Jahren habe ich diesen Tag in meinem schönen Die-Ferien-des-Monsieur-Hulot-Hotel an der Ostsee verbracht und stand dann am Abend auf dem Balkon über der Seepromenade und erfreute mich daran, den 14. Juli an der Ostsee zu verbringen und es französischer zu finden als in Frankreich.
In diesem Jahr hat die Ferienplanung des Landes Berlin jedoch leider eine Wiederholung dieses wunderbaren Ereignisse vereitelt. Was also dann tun? Wie gut, dass es bei uns in Berlin ein Fest zum französischen Nationalfeiertag veranstaltet wird, eine „Fete nationale“, auf dem Pariser Platz, direkt vor dem Brandenburger Tor.
Doch wann findet diese statt? Sie findet am 13. Juli statt, weil das ein Sonntag ist und weil nur am Sonntag genug Menschen für den Rummel requiriert werden können, um die Industrie als Sponsoren zu gewinnen. Denn die Sponsorenliste dieser Veranstaltung liest sich tatsächlich wie der „CAC-40“- oder der Euro-Stoxx“-Index. Jetzt bestimmt also die Industrie schon über das Datum unserer Feiertage. Der Kommerz hat den letzten Triumph über das Ideal erzielt. Ach, was tun wir nicht alles für unsere Aktienkurse.
Im Namen der Aktienkultur feiern wir jetzt Weihnachten an Ostern, weil dann das Wetter besser ist, es dem Tourismus besser bekommt und zudem die Bankfeiertage kürzer sind. Und keiner findet etwas dabei. Ob Weihnachtsmann oder Osterhase, ist doch sowieso scheißegal, Hauptsache es gibt Geschenke für die Kinder und bei den Erwachsenen zeckt es in der Birne. Die Freiheit ist ja heute sowieso ein freies Gut, für die sich niemand mehr anstrengen muss und an der wir 365 Tage im Jahr Freude haben könnten.
Könnten. Wenn wir nur nicht die ganze Zeit über wie die Ochsen am Nasenring unserer ungeklärten Bedürfnisse durch die Gegend gezogen werden würden. Ach, was tun wir nicht alles für unsere Aktienkurse. Und dieses Mal sogar, ohne es bewusst zu merken. Wie genial. Ich jedoch werde den 14. Juli auch in diesem Jahr am 14. Juli feiern. Und mir dazu ein ganz anderes Plätzchen ausdenken, wo alles anders ist, wo die Vergangenheit Zukunft und die Gegenwart ein Spiegel ist.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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Bernd Niquet, Der MADchester-Kapitalismus. Das Buch zur Krise, München 2008, 143 Seiten. 12 Euro, ISBN 978-3-937200-49-1. Jetzt hier bestellen.









