Von Bernd Niquet
In den vergangenen Jahren habe ich mich reichlich gefüttert gefühlt mit Material darüber, was unsere Geschäftsbanken alles für Papiere gekauft haben, die sie nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollten.
Zuletzt bin ich mit einem ganz neuen Unvermögen konfrontiert worden:
Ich hatte ja mit einem Teil meiner alten Argentinien-Anleihen das Umtauschangebot angenommen. Seitdem ist wenig passiert. Es hat eine Zinszahlung gegeben, doch von der Ausbuchung der alten und einer Einbuchung der neuen Papiere habe ich keine Mitteilung bekommen.
Nun jedoch erreicht mich beinahe täglich eine Abbuchung von Kapitalertragssteuer irgendwelcher Argentinienpapiere mit irgendwelchen fiktiven steuerpflichtigen Bemessungsgrundlagen. Mein Konto wird regelrecht leergeräumt davon.
Doch jetzt kommt es erst: Die Bank zuckt die Achseln.
Natürlich werde er sich darum kümmern, sagt mein netter Berater, doch das alles mache die Bank nicht mehr selbst, das habe man ausgelagert. Er muss also in einer fremden Firma anrufen, um nachzufragen, was diese mit dem meiner Bank anvertrauten Geld macht.
Ich bin sicher, dass es sich hierbei nur um Fehler handelt, dass bei den Indern, die das jetzt in Kalkutta buchen, jemand die falschen Einstandskurse eingegeben hat, denn dass im Zusammenhang mit den alten Argentinienanleihen irgendwo Erträge angefallen sein sollen, kann man wirklich nur im Märchenland glauben.
Ich bin also zuversichtlich und eigentlich guter Dinge. Doch ein bisschen gruselt es mich schon. Wenn niemand auf dieser Welt anscheinend mehr den direkten Zugriff auf die eigenen Sachen hat, was passiert dann eigentlich, wenn es wirklich einmal eine heftige Krise gibt?
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH IM WINTER IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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