Von Bernd Niquet
Ach, wie wird heute überall über Bildung gesprochen und geschrieben. Da werden die Anleger in Produkten und Strategien geschult, und was will man den Kindern nicht alles beibringen. Interessant ist, wie sich die Bildung bei derjenigen Generation auswirkt, die gegenwärtig am Ruder ist. Da hat man Latein und Griechisch gelernt, Infinitesimalrechnung und Geschichte, und dennoch ist das, was dabei herausgekommen ist, nicht unbedingt vertrauenserweckend, wenn man einmal auf unsere Welt blickt.
Vielleicht ist das mit der Bildung auch nur ein großes Gespenst. Meine These in diesem Zusammenhang ist, dass alle wichtigen Dinge im Leben dem Menschen intuitiv eingegeben sind. Würden wir alle mehr beachten, was in uns selbst steckt, und würden wir nicht immer auf das hören, was die Bildungsbürger uns sagen, dann ginge es uns wesentlich besser. An der Börse wie im gesamten Leben auch.
Nur ein paar Beispiel von der Titelseite der Zeitung: Dass man in Dresden durch eine historisch einmalige Landschaft keine Brücke baut, wenn man auch einen Tunnel bauen kann, das erschließt sich dem Menschen von innen. Dazu braucht es keine „Bildung“. Dass Öl teurer wird, wenn man mehr verbraucht und weniger findet, ist ebenfalls intuitiv ohne jede aufgesetzte Bildung zu erschließen. Und dass dann, wenn man, um das eine Loch zu stopfen, plötzlich Nahrungsmittel zu Verbrennen umrüstet, auf der anderen Seite ein neues Loch aufgerissen wird, ist ebenso intuitiv erfassbar.
Kommen wir daher zur Wirtschaft und den Märkten: Dass derjenige, der Ersparnisse in Höhe von 80.000 Euro besitzt und weiß, dass er sehr alt wird, unklug handelt, wenn er sich für 80.000 Euro einen Geländewagen kauft, offenbart sich genauso intuitiv wie sich daraus eine sehr akkurate intuitive Wirtschaftstheorie entwickeln lässt. Und wenn alle anderen aus dem Fenster springen, sollte die Intuition des Menschen eigentlich dagegen sprechen, hinterher zu springen.
Doch dass sich daraus niemals ein eindeutiges Szenario ableiten lässt, ist ebenso eine unumstößlich intuitive Wahrheit. Hier findet die Intuition einerseits ihre Grenze, andererseits jedoch ihre höchste Ausgestaltung. Denn gerade der weit verbreitete Glauben, die Zukunft doch vorhersagen zu können, verursacht die meisten Pleiten an der Börse.
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Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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