Von Bernd Niquet
Die Nationalstaaten sind heftig verschuldet. Die Schuldenquote der Industriestaaten ist im Durchschnitt auf 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen. Und die gegenwärtigen laufenden Haushaltsdefizite liegen bei bis zu 11 Prozent des BIP im Jahr. Dennoch warnen der US-Finanzminister Geithner und Präsident Obama davor, jetzt zu rasch zu sparen.
Ist das nicht Wahnsinn? Die Antwort lautet: „Ja und nein, also jein.“ Denn die Schulden werden so immer weiter anwachsen. Wird das Wachstum jedoch abgewürgt, werden sie noch stärker ansteigen. Wir sind also verdammt dazu, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Das ist ein verdammt schlimmer Befund, doch eine Alternative gibt es nicht. Demokratien können keinen wirtschaftlichen Selbstmord begehen.
Alle Regierungen sind gezwungen, immer höhere Dosen der Droge „Staatsverschuldung“ zu konsumieren, anderweitig würden sie sofort abgewählt werden. Eine übergeordnete wirtschaftlich oder objektive Vernunft gibt es nur auf dem Papier. In der Realität hat sie den gleichen Status wie das Vorhaben, dass alle Menschen ehrlich und rechtschaffen würden. Eine Alternative zum gegenwärtigen Kurs gibt es also nicht. Die Zukunft ist und bleibt jedoch offen. Viele Drogensüchtige sind schon uralt geworden.
Interessant ist jedoch eine Grafik der „FAZ“ zu Staatsverschuldung in der Wochenendausgabe: Da sind die Schuldenquoten und Haushaltsdefizite der einzelnen Staaten für 2010 und 2011 angegeben. Die USA beispielsweise schultern derzeit Staatsschulden von 93 Prozent des BIP und werden im nächsten Jahr bei 97 Prozent liegen. Erstaunlicherweise sollen sie jedoch 2010 ein Defizit von mehr als 11 Prozent des BIP ausweisen.
Die USA machen also 11 Prozent des BIP neue Schulden, wodurch ihr Schuldenstand jedoch nur von 93 auf 97 des BIP steigt. Wie das zusammen passt, darüber verliert niemand ein Wort. Ist ja auch fast egal, Milliarden oder Billionen, wer kennt sich da noch aus. Hauptsache, es sieht einigermaßen bunt und nicht zu gefährlich aus. So ist letztlich allen geholfen.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
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Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
Einige prominente Stimmen zum Buch:
„Es hat mir die Augen geöffnet.“ Bernard L. Madoff
„Ich schreibe seitdem ein eigenes Buch.“ Jérôme Kerviel
„Wir sind noch gar nicht tot.“ Richard Fuld
„Ich auch nicht.“ Bernard Cornfeld
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