Von Bernd Niquet
Es gibt zwei Wälle oder Mauern, die ich mein halbes Leben lang bewundert habe: den „Wall of Sound“ und den „Wall of Worry“. (Weniger angetan war ich hingegen vom „Berlin Wall“.)
Der „Wall of Sound“, diese vielschichtige und „fette“ Produktionsart von Musikstücken, wie sie Phil Spector in den 60er und 70er Jahren kreiert hat, ist ja heute wirksam desavouiert worden, denn einerseits herrscht in der Musik ein neuer Puritanismus vor (igittigitt) und andererseits sitzt deren Erfinder heute wegen Mordes im Gefängnis.
Nicht das Zeitliche gesegnet hat hingegen bis heute der „Wall of Worry“. Nur an dieser „Mauer aus Angst“ können die Aktienkurse steigen. Man erlebt es in jeder Aufwärtsbewegung von Neuem.
Schauen wir doch nur auf die gegenwärtigen Märkte: Kein normaler Mensch, der seine sieben Sachen noch einigermaßen beisammen hat, würde gegenwärtig auf die Idee kommen, Aktien zu kaufen. Griechenland ist pleite, alle anderen Staaten heftig angeschlagen, die Volkswirtschaften im Zweifel – und dennoch steigen die Aktienkurse unvermindert weiter.
Aber so ist das eben immer. Erst wenn die Nachrichten wieder richtig gut werden, wenn alle Probleme gelöst scheinen, dann muss man an der Börse wieder vorsichtiger treten. So ist sie, die verrückte Logik der Börse.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ AUCH 2010 NOCH FRISCH +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das neue Buch von Bernd Niquet bezieht sich nicht direkt auf die Börse und die Finanzen, sondern packt den Menschen in seiner Gesamtheit. Wie wäre es, fragt er, wenn man plötzlich ganz neu in unsere Welt hinein träte, ohne jede Historie in ihr zu besitzen? Wie würde man die Welt dann wahrnehmen? Und mit wem hätte man Umgang?
Auf jeden Fall stünde man wohl ziemlich alleine da, schwämme gegen den Strom und bewegte sich gegen den Strich – ganz so also, wie es auch dem erfolgreichen antizyklisch orientierten Anleger geht.
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