Von Bernd Niquet
In meinen diversen persönlichen Problemfällen hat sich erstaunlich viel getan – Gutes wie auch Schlechtes, doch auf jeden Fall erstaunlich viel Gutes.
Lehman Brothers Vermögensverwaltung wird vom Konkursverwalter zu neuem Leben erweckt. So, wie es jetzt aussieht, stehen Verbindlichkeiten in Höhe von 260 Milliarden Dollar Vermögenswerte in Höhe von 40 Milliarden Dollar gegenüber – was etwa auf eine Konkursquote von 15 Prozent herausläuft. Wer nur 1 Prozent für eine Lehman-Anleihe bezahlt hat, so wie ich, kann also durchaus guter Hoffnung sein.
Argentinien läutet ein zweites Umschuldungsabkommen ein. Es sieht zwar wohl nicht besser aus als das erste, wird aber die Zinszahlungen in Cash über die gesamte Zeit des Moratoriums beinhalten. Ich bin mit dieser Spekulation jetzt leicht im Gewinn, doch viel springt dabei nicht heraus. Richtig gelohnt haben sich nur die Nachkäufe mitten in der Finanzkrise.
Die Griechenland-Anleihen kommen hingegen nicht in Schwung. Mein vor zwei Wochen gekauftes Papier ist etwa den Coupon im Minus. Doch wird es letztlich einmal zum Nennwert zurückgezahlt, hat es sich renditemäßig durchaus gelohnt.
Bleibt der Fall Island. Kann sich eine kapitalgesteuerte Welt so ein Verhalten dieser verrückten Insulaner eigentlich noch weiter bieten lassen? Finanziell und wirtschaftlich ist die Insel ja bereits sturmreif geschossen. Jetzt müsste man nur noch die Insel wirksam im Meer versenken oder besser mit einer großen Glocke hermetisch abdichten.
Da man bisher nicht gezögert hat, den Staatsbankrott dieses Volkes herbei zu reden sowie unter Berufung auf die Anti-Terror-Gesetzgebung deren Vermögen zu pfänden, wird man sicher auch vor diesem Schritt nicht zurückschrecken. Dann werden eben die Einwohner umgesiedelt und die Anleger entschädigt. Wahrscheinlich hapert es bisher nur an der Technik. Das ist bestimmt der einzige Grund.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ AUCH 2010 NOCH FRISCH +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das neue Buch von Bernd Niquet bezieht sich nicht direkt auf die Börse und die Finanzen, sondern packt den Menschen in seiner Gesamtheit. Wie wäre es, fragt er, wenn man plötzlich ganz neu in unsere Welt hinein träte, ohne jede Historie in ihr zu besitzen? Wie würde man die Welt dann wahrnehmen? Und mit wem hätte man Umgang?
Auf jeden Fall stünde man wohl ziemlich alleine da, schwämme gegen den Strom und bewegte sich gegen den Strich – ganz so also, wie es auch dem erfolgreichen antizyklisch orientierten Anleger geht.
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