Von Bernd Niquet
Ein Hauch von Versailles weht durch den Winter. Der gesamte Planet ist der neuen Weltmacht bereits ergeben, selbst die russische Taiga ist okkupiert, doch da leistet ein kleines Dorf plötzlich Widerstand. So richtig sind die Nachrichten ja nicht durchgedrungen: Mit einer Quote von 93 Prozent haben es die Isländer unlängst abgelehnt, für die Verbindlichkeiten ihrer Banken aufzukommen. Bei nur 2 Prozent Zustimmung.
Und sofort läuft die Vergeltungsmaschine an. Das bereits untergehende große Reich fährt die volle Kriegsmaschinerie auf. Islands Bonität wird auf Schrott heruntergestuft. Und das Herbeireden des Staatsbankrotts, das 2008 keinen Erfolg hatte, wird wieder aufgenommen.
Man denke nur, in einem Land wie Deutschland oder den USA dürfte die Bevölkerung abstimmen, ob sie die Verbindlichkeiten, die eine Macht-Clique an der Spitze verursacht hat, bezahlt oder nicht. Dieser Gedanke darf ja nicht einmal aufkommen!
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
+++++++ AUCH 2010 NOCH FRISCH +++++++
Bernd Niquet, TAUPUNKTE, Erzählung, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2009, 133 Seiten, 9,95 Euro. ISBN 3-86901-434-2.
Das neue Buch von Bernd Niquet bezieht sich nicht direkt auf die Börse und die Finanzen, sondern packt den Menschen in seiner Gesamtheit. Wie wäre es, fragt er, wenn man plötzlich ganz neu in unsere Welt hinein träte, ohne jede Historie in ihr zu besitzen? Wie würde man die Welt dann wahrnehmen? Und mit wem hätte man Umgang?
Auf jeden Fall stünde man wohl ziemlich alleine da, schwämme gegen den Strom und bewegte sich gegen den Strich – ganz so also, wie es auch dem erfolgreichen antizyklisch orientierten Anleger geht.
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