(Morningstar) Es ist kein leichtes Unterfangen, einen Standardwertefonds im effizienten Markt für europäischen Blue Chips zu steuern. Die Performance in den vergangenen Jahren lässt jedoch vermuten, dass es noch eine Reihe anderer Faktoren für das schlechte Abschneiden des AriDeka gibt.
Gerd Tanzberger managt seit November 2006 das 2,1 Milliarden Euro schwere Flaggschiff der Sparkassentochter Deka. Er verfügt über ausgeprägte Erfahrung in den europäischen Aktienmärkten und wird dabei von Stefan Kohler unterstützt. Ein kurzer Blick in die bewegte Vergangenheit des AriDeka: Dank Technologie- und Telekommunikationshausse, die vom damaligen Manager René Seitz früh erkannt wurde, schoss der bereits 1962 aufgelegte Fonds in den Jahren 1998/ 99 über Kategorie und Index hinweg. Danach galt es, das Hausseportfolio neu auszurichten, was einige zerschlagene Scherben hinterließ. Zwischen Seitzs Ausstieg und Tanzbergers Übernahme fanden einige Wechsel im Fondsmanagement statt und auch der Investmentprozess wurde verändert. Die vergangenen Jahre waren demnach nicht nur aus Renditegesichtspunkten bewegt. Bei der Auswahl der Aktien setzt Tanzberger auf eine Mischung aus Fundamentalanalyse und Makrothemen. Die Aktienanalysten der Deka bewerten Unternehmen entlang von Branchen. Sie geben Empfehlungen innerhalb eines Sektors ab, setzen aber auch Kursziele fest. Die Makroempfehlungen werden in die Modelle implementiert und kommen von zwei Marktstrategen und von hauseigenen Volkswirten.
Für den Fonds gibt es eine Tracking Error Begrenzung von 3,5 Prozent, was starke Einzeltitelwetten oder deutliche Abweichungen von der Benchmark erschwert. Mit 150 Aktien per Ende September hielt der AriDeka rund drei Viertel der Anzahl an Aktien wie der MSCI Europe Large Cap. Das Einzelgewicht der Aktien lag in den vergangenen Jahren unter 4 Prozent. Deshalb gibt es im Portfolio auch wenige Überraschungen. Trotzdem kostete die stärkere Akzentuierung bei einigen Finanzwerten und Aktien aus dem Industrie- und Grundstoffbereich im Herbst Performance. In den darauffolgenden Wochen dienten Cash und defensive Werte als Zuflucht, weshalb technischen Gegenbewegungen nur teilweise zum Tragen kamen. Besonders der Herbst ließ den AriDeka in der Jahresbetrachtung wieder hinter Vergleichsfonds zurückfallen. Den MSCI Europe oder den DJ Stoxx Large 200, das Pendant zur Benchmark, konnte der AriDeka über drei und fünf Jahre trotz Managementwechsel und Prozessumstellung nicht schlagen.
Insgesamt ist das Fondsmanagement erfahren, wegen der häufigen Wechsel bleiben wir jedoch neutral. Nachdenklich stimmt uns der enge Tracking Error, der dem Fondsmanagement wenig Raum lässt. In einem effizienten Markt bedeutet das für ein aktives Management eine zusätzliche Hürde. Positiv hervorzuheben ist die bis dato vergleichsweise niedrige TER. Trotzdem ist die Bestandsaufnahme ernüchternd, weil der AriDeka bislang keine Alternative zu ETFs mit gleichem Anlageschwerpunkt ist und sich zudem als Basisinvestment in vielen Depots von Privatanlegern befindet. (Simon Nöth)
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