(Morningstar) Die Volatilität oder Schwankungsbreite von Wertpapierkursen dient häufig als Risikomaß einer Kapitalanlage. Dabei gilt generell: Je größer die Schwankungen, desto höher das Risiko. Ein Investment ist dann einem anderen überlegen, wenn es dieselbe Rendite, aber mit weniger Volatilität liefert. So funktioniert beispielsweise auch das quantitative Morningstar Rating, das Fonds einer Kategorie nach ihrer risikobereinigten Rendite sortiert.
Zwei Fragen sollten Anleger sich allerdings stellen: Wie kommt die (geringe) Volatilität eines Investments zustande? Und ist eine höhere Volatilität zwangsläufig schlecht?
Geldmarktfonds sind weniger volatil als Anleihenfonds, die wiederum schwankungsärmer sind als Aktienfonds. Dies spiegelt die bekannte Beziehung zwischen Risiko und Rendite(potential) wider.
Es gibt aber auch Fälle, wo ein Kursverlauf mit niedriger Volatilität Risiken überdeckt, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Viel wurde bereits über den Madoff-Skandal geschrieben. Die beständigen Renditen, die Bernard Madoff jahrelang lieferte (und die sich im Nachhinein als gefälscht herausstellten), waren einer der wesentlichen Gründe, warum viele Investoren ihm gerne ihr Geld anvertrauten. Letztendlich ein klassischer Fall von „zu schön, um wahr zu sein“.
Auch wenn man nicht gleich von einem Betrugsfall ausgehen will, gibt es doch auch andere Beispiele, in denen die Aussagekraft der Volatilität begrenzt ist. Dies betrifft Strategien, in denen sehr lange alles gut geht und kleine Gewinne zusammenkommen, die jedoch von selten eintreffenden, aber extrem großen Verlusten aufgezehrt werden können („tail risk“).
Eine niedrige Volatilität auf dem Papier kann auch dadurch zustande kommen, dass illiquide Vermögenswerte gehalten werden. Für diese gibt es keinen Markt mit täglicher Preisfeststellung. Was nur sporadisch gehandelt wird, ändert auch selten seinen Preis. Ein klassisches Beispiel sind Immobilien. Auch Hedgefonds oder Private Equity zählen dazu. Dass diese deswegen keinen Zyklen unterliegen und unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage immer beständige Renditen liefern können, wird zumindest nach den Erfahrungen des letzten Jahres niemand mehr behaupten wollen.
Die Finanzmärkte entwickeln sich nicht gleichmäßig, genauso wenig wie die Realwirtschaft. Im Gegenteil, laut US-Ökonom Hyman Minsky sind die Finanzmärkte inhärent instabil: Perioden wirtschaftlicher Stabilität verleiten Unternehmen, Konsumenten und Finanzinstitute dazu, immer mehr Risiken einzugehen und sich stärker zu verschulden. Sie werden zunehmend unvorsichtiger und unterschätzen die Risiken. Irgendwann genügt ein einziger Tropen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Eine Phase geringer Volatilität birgt somit bereits die Grundlage für höhere Schwankungen in der Zukunft in sich. Anleger sind gut beraten, sich in „sonnigen“ Zeiten nicht zu sehr in Sicherheit zu wiegen oder eine Schönwetterphase einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Ein anderer Umgang mit Volatilität ist gefragt: Weniger Fokus auf die Vermeidung von kurzfristigen Schwankungen, wenn der Anlagehorizont lang ist. Und niedrige Volatilität nicht automatisch mit geringem Risiko gleichsetzen. (Natalia Wolfstetter)
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