(Morningstar) Ein überdurchschnittlicher Fonds zeichnet sich durch gute bis sehr gute fünf Ps aus, wobei das fünfte P, nämlich die Performance das Ergebnis der ersten vier Ps ist:
parent oder die Fondsgesellschaft,
people oder das Fondsmanagement und das Research Team,
process oder der Investmentansatz und die Portfoliokonstruktion,
price oder die Verwaltungsvergütung und die einem Fonds belasteten laufenden Kosten und performance oder die Performanceanalyse.
Die Frage, ob Nebenwerte besser laufen werden als Blue Chips, ob Anleihen gegenüber Aktien vorzuziehen sind oder ob gar Wasserfonds eine rosigere Zukunft an den Aktienmärkten haben sollten als BRIC Fonds, ist nicht die Fragestellung, auf die ein Fondsanalyst antworten sollte. Diese Fragen gehören der Disziplin Asset Allocation oder Vermögensstruktur an. Die Fondsanalyse beginnt dann, wenn die Vermögensstruktur steht. Fondsanalysten wissen übrigens auch nicht, wann Aktienmärkte steigen oder fallen. Wir wissen allerdings, dass Small Caps stärken schwanken als Blue Chips. Demnach können wir auch Auskunft geben, welche Rolle ein Fonds im Gesamtportfolio spielen könnte.
Die Fondsanalyse befasst sich mit der relativen Beurteilung von zum Beispiel Nebenwerte- oder Emerging Market Fonds. Dabei versuchen wir, skill (Können) von luck (Glück) zu separieren. Oder anders: Was kommt vom Fondsmanagement und was hat der Markt geschenkt. Jeder Investor kann heute Investmentideen über ETFs abbilden. Dass Beta oder Marktrisiko günstig zu haben sind, hat sich rumgesprochen. Ein Fondsanalyst muss demnach immer eine Antwort darauf finden, ob ein aktiv gemanagter Fonds langfristig den Markt schlagen kann. Fällt das Urteil negativ aus, kommen die kostengünstigen ETFs in die engere Auswahl. Wie findet man nun die relativen Outperformer mit Hilfe der fünf Ps?
Parent
Wie stehen die Interessen der Fondssparer im Einklang mit der Fondsgesellschaft (parent)? Dominieren Verkauf und Marketing oder die Fondsmanager und Analysten die Produktpolitik eines Hauses? Wie werden Analysten, Fondsmanager und Sales bezahlt? Wie versuchen Fondsgesellschaften ihre Talente zu halten? Wird nach kurzfristigen oder langfristigen Zielen in der dynamischen Vergütung bezahlt? Wie ist die Transparenz und Kommunikation gegenüber Anlegern? Uns sind diese Fragen nach der Corporate Governance sehr wichtig, denn sie geben darüber Aufschluss, inwieweit die Anlegerinteressen im Vordergrund stehen.
People
Wir bevorzugen klar Manager die Investmenterfahrung haben und über mehrere Jahre an Board eines Fonds waren. Zudem interessieren uns, wie das Research, Fondsmanagement und der Wertpapierhandel aufgebaut sind und zusammenarbeiten.
Process
Beim Investmentprozess untersuchen wir, wie eine Aktie oder eine Anleihe in das Portfolio kommt und schließlich wieder verkauft wird. Dabei muss der Prozess mit dem Ergebnis, also dem Fondsportfolio, übereinstimmen. So sollten die von einem Value Manager selektierten Aktien vorwiegend günstig bewertete Aktien sein und keine Wachstumsaktien mit einem KGV von 20.
Price
Wir haben in empirischen Untersuchungen zeigen können, dass niedrige Verwaltungsvergütungen ein guter Indikator für langfristige Performance sind. Das klingt intuitiv, ist es auch, wird aber von Anlegern zu wenig beachtet.
Performance
In der Performance- und Risikoanalyse betrachten wir europaweit die Leistung relativ zu vergleichbaren Fonds, die absolute Wertentwicklung und das Verhalten eines Ansatzes in unterschiedlichen Marktzyklen wie Bullen- oder Bärenmärkten. Im Mittelpunkt stehen die langfristige Leistung und keine ein, zwei Top-Jahre. Im Gegenteil: Wir werden hellhörig, wenn ein Fonds sich kurzfristig sehr stark vom Markt entfernt. Oft ist dies ein Indikator für hohes eingegangenes Risiko, was möglicherweise nicht jedem Investor schmeckt.
Stehen die fünf Ps auf solidem Fundament, dann können Investoren mit der Solidität und Zeitlosigkeit eines dorischen Tempels rechnen. Einziges Manko dieses Gleichnisses ist, dass ein dorischer Tempel von zeitloser Schönheit ist. Während wir bei einem Investmentfonds nicht von Schönheit sprechen wollen. (Werner Hedrich)
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