(Morningstar) In der vergangenen Woche schrieben wir über Staatsanleihen und deren Comeback in Krisenzeiten. Eher am anderen Ende der Beliebtheitsskala finden sich derzeit Unternehmensanleihen. Lange Zeit waren sie kaum höher verzinst als staatliche Papiere. Das Ausfallrisiko galt als gering, auch im High-Yield-Segment, in dem Anleihen von Unternehmen geringer Bonität gehandelt werden. High-Yield-Schuldner etwa konnten in den drei Jahren bis 2007 Anleihen mit Kupons im einstelligen Bereich begeben. Dies hat sich seit Ausbruch der Kreditkrise grundlegend geändert. Die Schere zu Staatsanleihen öffnete sich insbesondere seit September, als es zum Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers kam. Mittlerweile müssen Unternehmen geringerer Bonität bei Neuemissionen Kupons von 20 Prozent und mehr bieten.
Im Abschwung steigt das Risiko, dass Unternehmen in Schwierigkeiten geraten und ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Die Angst vor steigenden Ausfällen lässt sich an den Risikoaufschlägen von Unternehmensanleihen gegenüber den als sicher geltenden Staatspapieren ablesen. Je niedriger die Bonität, desto größer der Renditeabstand. Laut der Kreditratingagentur Moody’s lag die Ausfallrate europäischer Hochzinsanleihen Ende November bei 1,3 Prozent, in den USA bei 3,4 Prozent. Moody’s erwartet in den kommenden zwölf Monaten einen Anstieg auf 12,5 Prozent in Europa und 10,7 Prozent für den US-Markt.
Ein Teil der hohen Verzinsung ist aber auch durch die teilweise Austrocknung der Kreditmärkte bedingt. Anleger verlangen für die derzeit geringe Liquidität einen Ausgleich.
Die Kehrseite von steigenden Risikoaufschlägen (Spreads) sind sinkende Anleihenkurse. Der Aufschlag liegt derzeit für gute Schuldner bei 2 bis 7 Prozent gegenüber Staatsanleihen. Die Renditedifferenz hat sich selbst für Anleihen hoher Bonität in den letzten vergangenen Monaten teils sogar verdoppelt. Dadurch erklärt sich auch das Minus von 8,7 Prozent, das Euro-Unternehmensanleihenfonds in den vergangenen drei Monaten im Durchschnitt einfuhren. Sehr viel schlimmer noch erwischte es hochverzinsliche Anleihenfonds, die rund 27 Prozent einbüßten.
Generell preisen die Kreditmärkte gegenwärtig Zahlungsausfallraten ein, wie sie eigentlich für undenkbar gehalten werden. Die Deutsche Bank etwa hat errechnet, dass die Risikoprämien für den High-Yield-Bereich in den nächsten Jahren eine Ausfallquote von 50 Prozent widerspiegeln. Wer hier weniger schwarz sieht, sollte Unternehmensanleihen im Auge behalten.
Fonds mit Spezialisierung auf Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) finden sich in den Morningstar Kategorien „Unternehmensanleihen Euro“ sowie „Anleihen Euro hochverzinslich“ (High-Yield-Schwerpunkt). In Form eines ETFs (börsengehandelter Indexfonds) gibt es den iShares Euro Corporate Bond. Es handelt sich in jedem Fall um Investments, für die man mehrere Jahre Zeit mitbringen sollte. Sie bieten aber durch ihre Diversifizierung eine breite Risikostreuung. Unternehmenstitel weisen zwar gegenüber Staatspapieren eine so attraktive Verzinsung auf wie schon lange nicht mehr und die Anleihenmärkte mögen derzeit übertriebene Ausfallraten einpreisen. Jedoch werden etliche Unternehmen nicht ungeschoren davonkommen, zumal sie mit ihrem Finanzierungsbedarf in Konkurrenz zur kommenden Welle an Staatsemissionen stehen. Gut sind dann die Anleger dran, die nicht alles auf eine Karte gesetzt haben. (Natalia Wolfstetter)
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