(Morningstar) Vor dem Hintergrund weltweiter Rezessionsängste legen Finanzminister allerorten neue Konjunkturpakete auf. Irgendwer muss diese bezahlen. Eine Flut neuer Staatsanleihenemissionen steht vor der Tür. Diese wiederum müssen ihre Abnehmer finden. Das scheint momentan aber das geringste Problem zu sein. Risikoreiche Anlagen, angefangen von Aktien bis hin zu Unternehmensanleihen, sind derzeit verpönt. Anleger suchen im sicheren Hafen staatlicher Rentenpapiere Schutz. Das steigende Angebot an solchen Papieren, das normalerweise zur Vorsicht mahnen würde, tut der Stimmung bisher keinen Abbruch.
Dass der Appetit für Staatspapiere anhalten könnte, dafür gibt es auch historische Vorbilder. Zum Beispiel Japan, das bereits seit 20 Jahren seine Fiskaldefizite über Anleihen finanziert und diese auch immer unters Volk gebracht hat, trotz magerer Verzinsung. Bisher scheinen Ausländer zudem weiterhin bereit zu sein, das amerikanische Defizit zu finanzieren. Dafür spricht auch die Aufwertung des US-Dollars.
Nun rentieren Staatsanleihen derzeit nahe historischer Tiefs. Beispielsweise fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Donnerstag zeitweise unter 3 Prozent. Die extreme Risikoaversion der Investoren führt aber dazu, dass Investoren diese Papiere dennoch begierig aufkaufen. Staatsanleihen etablierter Schuldner wie der Bundesrepublik (nicht aber Emerging Markets Titel oder auch Papiere von Emittenten wie Griechenland) gelten als extrem sicher, und Sicherheit steht derzeit an erster Stelle. Zudem drängen Sorgen vor einer Deflation angesichts schlechterer Wirtschaftsaussichten, sinkender Rohstoffpreise und des anhaltenden Kursverfalls an den Kapitalmärkten in den Vordergrund. Eine rückläufige Inflation oder gar sinkende Preise würden sich wiederum positiv auf die Realverzinsung auswirken.
Fallende Renditen gehen mit Kursgewinnen einher. Zusammen mit den laufenden Kupons erklärt dies, warum Staatsanleihen im laufenden Jahr eine der wenigen Anlagekategorien waren, mit denen Fondssparer Geld verdienen konnten. Für Euro-Anleger sind sie in der Morningstar Kategorie „Öffentliche Anleihen Euro“ zusammengefasst. Die durchschnittliche Rendite belief sich für diese Kategorie seit Jahresanfang auf 7 Prozent. Noch besser war man mit langlaufenen Anleihen („Anleihen Euro Langläufer") dran. Diese lieferten im laufenden Jahr 9,5 Prozent. Wer in Dollar-Papiere investiert hatte, konnte sich zusätzlich über Kursgewinne durch die Währungsentwicklung freuen.
Wie immer sollten Fondssparer sich jedoch nicht von den vergangenen Renditen alleine leiten lassen. Rentenfonds mit Wechselkursrisiken sind zudem ein zweischneidiges Schwert. Volatile Währungsbewegungen überlagern meist die Performance der Anleihen selbst. Festverzinsliche Wertpapiere sind für die meisten Anleger Teil eines gut diversifizierten Depots. Jetzt aber nur noch auf Staatsanleihen zu setzen, ist zu einfach gedacht. Kommt es zu einer anhaltenden Deflation, so dürften die Renditen zwar weiter zurückgehen. Wer aber weiter in die Zukunft, in Richtung Erholung, denkt, dürfte in anderen Bereichen des Rentenmarkts die attraktiveren Chancen sehen. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen (hoher und niedriger Bonität) oder Emerging Markets Titeln sind extrem hoch. Das höhere Ausfallrisiko von Unternehmen oder Schwellenländern wurde lange Zeit nicht ausreichend entlohnt. Mittlerweile werden jedoch Ausfallraten eingepreist, wie sie seit der Depression in den 1930er Jahren nicht mehr erlebt wurden. Der Markt hat sich im Zuge der Finanzkrise von einen Extrem zum anderen Extrem bewegt. So wie das erste Extrem korrigiert wurde, dürften auch beim letzteren die Korrekturen kommen. (Natalia Wolfstetter)
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